Berlusconi 3.0
Der Ex-Premier entdeckt Facebook und Twitter

Italiens ehemaliger Ministerpräsident plant sein politisches Comeback. Dafür tut es Berlusconi der Konkurrenz gleich und entdeckt Facebook und Twitter. Schließlich kann nur er seine Partei retten - als Antipolitiker.
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MailandEr war ein Pionier des italienischen Privatfernsehens. Jetzt will der Medienunternehmer und Ex-Premier Silvio Berlusconi auch den Schritt in die neue Welt der Social Networks schaffen: Wie Berlusconis eigene Zeitung „Giornale“ berichtet, hat der 75-jährige Fernseh-Unternehmer sich zuletzt von Kommunikationsexperten in Facebook und Twitter einweisen lassen und will die sozialen Netzwerke für seine politische Rückkehr nutzen. Er soll beeindruckt sein, wieviel Einfluss die neuen Medien heute haben, schreibt seine Hausblatt.

Nicht, dass Berlusconi nicht schon selbst eine Facebook-Fanpage hätte: Aber wirklich auseinandergesetzt hatte er sich bisher nicht mit dem Thema der Social Media. In den Wahlkämpfen spielte das Internet kaum eine Rolle. Auch sein Fernsehkonzern Mediaset hat das Internet lange verschlafen. Zu gut lief das Geschäft mit der Werbung im fernsehverrückten Italien. Doch auch das hat sich zuletzt geändert. Die Krise ließ die Werbeeinahmen einbrechen und auch Italiens junge Menschen kehren den vorgesetzten Programmen aus dem Fernsehen immer stärker den Rücken und greifen zum Internet. 

Welche Macht das das Internet und soziale Netze wie Facebook und Twitter auch in Italien haben, hat zuletzt der Ex-Satiriker Beppe Grillo vorgemacht: Er war vor vielen Jahren aus dem Staatsfernsehen verbannt und betreibt seitdem einen Blog und ist auf allen wichtigen Social-Media-Plattformen aktiv. So hat er eine politische Bewegung – Movimento 5 Stelle - aufgebaut, deren Kandidaten es bei den jüngsten Kommunalwahlen ganz ohne die Unterstützung des Fernsehens in verschiedenen Städten als Bürgermeister ins Rathaus geschafft haben. Zuletzt hat ein Grillo-Kandidat sogar die Barilla-Stadt Parma erobert. Die Kandidaten von Berlusconis Partei PDL dagegen mussten eine Schlappe nach der nächsten hinnehmen.

Solch ein Erfolg lässt Berlusconi nicht kalt. „Wir müssen von Grillo lernen“ soll er zu seinen Getreuen gesagt haben. „Grillo gefällt mir, er müsste einer von uns sein – oder wir müssten wie er sein“, wird er zitiert. Auch Berlusconi hat sich bei seinem Einstieg in die Politik als Anti-Politiker profiliert – wie Grillo heute. Diesen Ansatz will er wiederbeleben.

Berlusconis eigene Partei ist auf einem historischen Tief angekommen. In den Umfragen liegt sie bei 20 Prozent und kämpft derzeit mit prominenten Abgängen. In so einer schwierigen Lage kann es nach Ansicht von Berlusconi nur einen Retter geben: sich selbst. Möglichst mit einer neuen Struktur. Und diesmal Digital und vielleicht bald viral.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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