Berlusconi hofft auf Comeback: Im Schlaraffenland

Berlusconi hofft auf Comeback
Im Schlaraffenland

Vor der Parlamentswahl in Italien verspricht Berlusconi Steuersenkungen und Amnestien, er kauft dem AC Mailand Mario Balotelli und adoptiert einen Hund. In Umfragen holt er auf – doch regieren wird er nicht.
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Mailand„Victoria“ war sein jüngster Coup. Eine Hundewelpe auf dem Arm von Silvio: ein armer Mischling aus dem Tierheim – adoptiert vom Milliardär Silvio Berlusconi. Der ehemalige Premier und Anführer des Volks der Freiheit – Popolo della Libertà (PDL) – lässt im Wahlkampfendspurt in Italien keinen Marketingtrick aus. In Umfragen holt er mit dieser Taktik auf – er liegt nur noch sechs Prozent hinter seinem größten Widersacher, Pier Luigi Bersani, von der Linkspartei PD.

Ein weiterer Schachzug Berlusconis war der Kauf des italienischen Fußballstars Mario Balotelli. Er transferierte den Stürmer für rund 20 Millionen Euro von Manchester City zu seinem Verein AC Mailand. Dabei hatte Berlusconi seinem Klub eigentlich nach Jahren der Verschwendung einen strikten Sparkurs verordnet. Aber jetzt ist Wahlkampf und Berlusconi kauft sich Sympathien. Balotelli war es gewesen, der Deutschland für Italien aus der Europameisterschaft 2012 kickte. Sein Spruch dazu: „Balotelli hat zwei Tore geschossen und die Deutschen zum Weinen gebracht. Der andere Mario, Monti, hat zwei Tore geschossen – die Immobiliensteuer und die neuen Steuerkontrollen – und damit die Italiener zum Weinen gebracht.“ Der Umfrage-Guru Renato Mannheimer sagt, allein der Balotelli-Kauf habe Berlusconi einen Prozentpunkt gebracht.

Aber der Medien-Profi adoptiert nicht nur Hunde und Fußballer. Er verspricht auch, die von Monti wieder eingeführte Immobiliensteuer erneut abzuschaffen und die bereits bezahlte zurückerstatten. Außerdem will er eine Generalamnestie für alle Steuersünden und für alle Bausünden in Italien. Und nicht zu vergessen: vier Millionen Jobs will er schaffen. Wie genau, das bleibt vage.

Vor fünf Jahren hat Berlusconi schon einmal die Wahlen gewonnen, indem er beim Fernsehduell mit Romano Prodi wenige Tage vor der Wahl in der letzten Minute die Abschaffung der Immobiliensteuer versprach. Er hielt Wort – und riss ein weiteres Loch in den Haushalt.

Ein starker Berlusconi ist das Schlimmste, was Italien in dieser wirtschaftlichen Lage passieren kann. Das Vertrauen der Märkte, das Mario Monti so mühsam wieder hergestellt hat, wäre dahin. Das zeigten die panischen Kursreaktionen an den Märkten nach Berlusconis Überraschungsankündigungen zu seinen Steuerplänen. Die Risikoaufschläge würden wieder nach oben schießen, und Italien müsste angesichts der hohen Verschuldung von mehr als 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wieder Milliarden Euro mehr für höhere Zinsen hinlegen, statt diese Gelder in Wachstum zu investieren.

Doch der Haushalt interessiert Berlusconis Wähler nicht. Die Italiener, deren Steuern und Abgaben die höchsten unter den großen EU-Ländern sind – wollen am Ende des Monats mehr Geld übrig haben. Und deshalb wählen sie auch die PDL – oder zumindest einige von ihnen. Berlusconi fischt nicht bei den bürgerlichen Eliten, sondern bei den einfachen Menschen. Bei den Hausfrauen, die häufig ganztags den Fernseher – oft auf seinen Sendern – laufen lassen, war sein Anteil schon immer besonders groß. Für sie zählt, was ihnen im Portemonnaie bleibt, und das ist unter Mario Monti weniger geworden.

Monti hat vor allem die Steuern erhöht und kaum an den Ausgaben gekürzt. Heute ist Italien das Land mit der höchsten Steuerlast unter den großen EU-Ländern. Auch die dringend nötige Rentenreform erfreut die Bürger nicht wirklich. Sie müssen länger arbeiten und bekommen weniger Geld. Wer lässt sich da nicht von niedrigeren Steuern oder gar dem Versprechen der Vergebung für frühere Steuersünden locken?

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  • "„Victoria“ war sein jüngster Coup. Eine Hundewelpe auf dem Arm von Silvio: ein armer Mischling aus dem Tierheim – adoptiert vom Milliardär Silvio Berlusconi."
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    Dieser Kasper schreckt offensichtlich auch vor dem Mißbrauch von Tieren nicht zurück! Was passiert mit dem Welpen, wenn die Kameras weg sind, nach der Wahl? Glaubt hier irgend jemand ernsthaft, daß dieser geschniegelte Geck einen jungen Hund großzieht? Das ist nämlich richtig Arbeit, wenn auch für Hundefreunde wunderschöne. Wenn "Vittoria" (wie sie korrekt heißt) Glück hat, landet sie bei einem der Angestellten, wenn sie Pech hat, geht's nach der öffentlichkeitswirksamen Show wieder zurück ins Tierheim.
    Was Menschen mit Menschen anstellen, ist mir inzwischen herzlich egal, da habe ich im Lauf vieler Jahrzehnte jegliche Illusion verloren. Aber wenn Tiere, speziell Hunde, mißbraucht werden, hier, um sich wahlwirksam als Wohltäter zu profilieren, dann reagiere ich ausgesprochen ungehalten!
    Btw., Monti ist keinen Deut besser!
    http://orf.at/stories/2165498/

  • Berlusconi ist doch ein recht erfolgreicher Selbstdarsteller in diesem Marionettentheater. Das macht ihn nicht automatisch schlechter oder besser als manche andere Akteure und Mitläufer der politischen Bühne.

  • Das ist ja auch, warum Deutschland oft kritisiert wird. Viele der anderen Länder fühlen sich schikaniert, wenn sie ihre eigene politische Entscheidungsprozesse für sich durchsetzen möchten. Berlusconi z.Bsp. steht nicht für Anstand oder Bescheidenheit. Sondern - unter anderem - für Macho-Gehabe und Individualität. Er hat nun mal auch seine Anhänger. Demokratie besteht ja auch darin, dass eine Vielfalt von gesellschaftlichen Strömungen vertreten werden darf.

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