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Berlusconis Erbe: Der italienische Patient mit den sieben Leiden

Italien ist der kranke Mann Europas. Berlusconis Nachfolger wird es schwer haben. Die neue Regierung muss sofort einen Haufen ökonomischer Probleme angehen. Handelsblatt Online diagnostiziert die sieben Krankheiten.

Der italienische Premier Silvio Berlusconi hinterlässt ein Land, das dringend verarztet werden muss. Quelle: Reuters
Der italienische Premier Silvio Berlusconi hinterlässt ein Land, das dringend verarztet werden muss. Quelle: Reuters

Die Schwäche des wirtschaftlichen Wachstums ist der größte Negativposten in Silvio Berlusconis Bilanz. In ihr drücken sich alle seine Versäumnisse und Fehler aus. Italien ist der kranke Mann Europas, seit Berlusconi regiert. Seit seinem ersten vollständigen Amtsjahr 2002 ist die italienische Volkswirtschaft Jahr für Jahr weniger gewachsen als der Durchschnitt der Euro-Zone oder auch der G7-Gruppe der größten Industriestaaten.

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Dieses Schicksal teilte Italien bis zum Jahr 2005 mit Deutschland, doch dann zogen die Deutschen nach den Reformen der „Agenda 2010“ davon. Italien unterließ die nötigen Strukturreformen und fiel Jahr für Jahr weiter zurück. Das Land müsse dringend entbürokratisiert, der Kündigungsschutz gelockert und vieles privatisiert werden, was bislang in staatlicher Hand sei, fordert der italienische Ökonom Alberto Alesina. Das würde die Märkte beruhigen.

Als Italien 1999 als Gründungsmitglied der Europäischen Währungsunion beitrat, war seine Ausgangsposition als klassisches Industrieland nicht schlechter als die deutsche. Doch während sich Deutschland eine harte Anpassungskur verordnete und die Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnzurückhaltung und Strukturreformen steigerte, ging Italien den Weg der anderen Südeuropäer und verkonsumierte den Vorteil, den die Währungsunion in Form sinkender Zinsen brachte. Die Folge waren steigende Defizite in der Leistungsbilanz. Heute importiert das Land vor allem Energie und Rohstoffe, aber auch Transportmittel und Chemie, Synthetikfasern und Elektronik. Früher hätte Italien die Probleme durch eine Abwertung der Lira beseitigt. Dieser Weg ist dem Land als Mitglied der Währungsunion versperrt.

Basisdaten Italien

Quelle: Information Research
  • 10.11.2011, 05:59 UhrKeepCool

    Ähnlichkeit vorhanden?

    http://en.wikipedia.org/wiki/File:Mussolini_biografia.jpg

    http://www.kreiszeitung.de/bilder/2009/10/31/508027/627524602-silvio-berlusconi.9.jpg

  • 10.11.2011, 05:47 UhrKeepCool

    Konsequenter als Berlusconi kann man das Vertrauen nicht verspielen: das seines eigenen Volkes, das der Politik, das der Märkte. Zu behaupten er sei sicherlich nicht der perfekte Regierungschef gewesen, ist wohl wahr.

    Skurril ist, dass er immer noch an der Macht ist. Daran, dass Berlusconi wirklich verschwindet, glaube ich erst, wenn ich es schwarz auf weiss lese. Und einen möchte ich ganz sicher nicht als seinen Nachfolger sehen: denjenigen, den Berlusconi als seinen Nachfolger vorschlägt.

    Bezüglich Berlusconis Abgang werde ich das Gefühl nicht los, dass er erst geht, wenn Italien definitiv pleite ist. Einen besseren Garanten als ihn gibt es nicht.

    Mich wundert, dass die Italiener sich das bieten lassen.

  • 10.11.2011, 05:31 UhrAnonymer Benutzer: Lupo

    Berlusconi war/ ist sicher nicht der perfekte Regierungschef. Trotzdem kann man die oben beschriebenen Probleme nicht allein ihm anlasten. Anlasten kann man ihm nur, dass er in seiner doch langen Regierungszeit wenig bis nichts unternommen hat, um sie zu beseitigen. Auch da befindet er sich in guter Gesellschaft, nicht zuletzt unter seinen europäischen Kolleginnen und Kollegen.

    Es haben alle europäischen Staaten in den letzten 40 Jahren über ihre Verhältnisse gelebt, Schulden gemacht, Wahlgeschenke verteilt und ihre Klientel bedient, nicht nur der Cavaliere. Genau das ist das Hauptproblem, in dem wir uns befinden. Berlusconi ist da lediglich das Extrem.

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