Berlusconis Herausforderer stellt sich Vorwahlen
Prodi nimmt Fahrt auf – und kopiert die USA

„Romano Prodi als Ministerpräsident – damit Italien wieder in Fahrt kommt.“ Mit diesem vollmundigen Slogan und einem knatschgelben Laster wirbt der ehemalige EU-Kommissionspräsident derzeit in Italien für seine politische Zukunft.

MAILAND. Auf der Piazza Ottenetti in Ivrea schüttelt er Hände, spricht den Menschen Mut zu und sagt einen Wahlsieg der Linken voraus: „Aber ich kann keine Steuersenkung versprechen“, antwortet er auf die Frage einer Arbeiterin im Publikum. Zwei Tage später diskutiert er auf der Piazza Matteotti in Bergamo über Anlegerschutz.

Im kommenden Jahr will der Mitte-links-Politiker Premier Silvio Berlusconi ablösen. Die Chancen stehen nicht schlecht: Berlusconis Regierungskoalition liegt in Umfragen mehr als zehn Prozent hinter den Herausforderern. Aber zunächst muss Prodi sich in einer Vorwahl als Spitzenmann im Oppositionbündnis „Unione“ durchsetzen.

Zum ersten Mal in Italiens Geschichte lässt das Mitte-links-Bündnis am 16. Oktober per Volksabstimmung festlegen, wer es in den Wahlkampf führen soll und im Falle eines Sieges Ministerpräsident wird. Vorbild sind die „Primaries“, bei denen in den USA der Präsidentenkandidat bestimmt wird. Bis zum 12. Oktober müssen sich interessierte Anhänger des Mitte-links-Bündnisses in Listen eintragen, um vier Tage später ihren Kandidaten wählen zu können. Insgesamt treten sieben Politiker für die „Unione“ an.

Derzeit diskutiert sogar Berlusconis angeschlagene Regierungskoalition darüber, ihren Anführer für das nächste Jahr publikumswirksam per Vorwahl zu bestimmen. Denn im fünften Jahr nach seinem triumphalen Wahlsieg stellen mittlerweile auch Mitstreiter des Mitte-Rechts-Bündnisses die Frage, ob Berlusconi der ideale Anführer ist. Der Regierungschef könnte eine Legitimation per Plebiszit also gut gebrauchen.

Sein Kontrahent Prodi, der oft eher spröde daherkommt, gilt zwar als aussichtsreichster Kandidat der Linken, hat aber keine eigene Partei, die ihm die nötige Organisations- und Finanzkraft gibt. Ein Sieg in den Vorwahlen würde seine Führungsrolle trotzdem ein für alle Mal festlegen und seinem Kampf gegen Berlusconi Schub verleihen.

Doch Prodis Wahlkampf verläuft derzeit alles andere als glatt. Sein Vorschlag, Partnerschaften ohne Trauschein einige eheähnliche Rechte zu geben, die auch für homo-sexuelle Paare gelten, empörte den Vatikan. Der „Osservatore Romano“, die Zeitung der Vatikanstadt, beschuldigte den bekennenden Katholiken Prodi, „die Institution der Familie“ zu zerstören, nur um ein paar Stimmen mehr zu ergattern. Nach einer Umfrage des Instituts Eurisko sind 54 Prozent der Italiener für Prodis Vorschlag. Aber die Meinung der Kirche kann in Italien wahlentscheidend sein.

Einen anderen Angriff konterte Prodi dagegen locker: Der stellvertretende Regierungschef Giulio Trementi hatte die Tatsache, dass Prodi seinen Wahlkampflaster gelb lackieren ließ, mit der Bemerkung kommentiert: „Zahlen ihm das die Chinesen?“ Prodi, der der Regierung vorwirft, keine Antworten auf die zunehmende wirtschaftliche Konkurrenz aus China zu bieten, stellte klar: „Der Laster ist gelb, aber es ist ein italienischer Laster von Iveco mit einem italienischen Fahrer.“

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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