Wie sehr der 71-jährige Medienmogul und Milliardär bei seiner neuen Regierung aufs Äußerliche geht, das entlehnen italienische Medien gern bei der „Bild-Zeitung“: Deren Schlagzeile „Mamma mia! Die schönste Ministerin der Welt“ machte in „Bella Italia“ derart die Runde, dass auch die Frau sich äußern musste, der das Kompliment gilt: „Ehrlich, ich kümmere mich darum nicht“, sagte die als Arbeitstier bekannte 32-jährige Carfagna, es warteten zu viele Aufgaben auf sie.
So will sie den Italienerinnen mit einer Gesetzgebung nach französischem Vorbild mehr Möglichkeiten eröffnen, Beruf und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen.
Wenn sie solch ehrgeizige Vorhaben und Reformen wirklich durchboxt, dürften Geschichten aus ihrem Leben vor der Politik mehr und mehr in den Hintergrund treten – Geschichten wie die von dem heftigen Flirt, mit dem Alt-Charmeur Berlusconi sie im Januar 2007 vor laufender TV-Kamera umgarnte: „Ich würde dich sofort heiraten, wenn ich nicht schon verheiratet wäre.“
Klar, dass dies hohe Wellen schlug, Berlusconis Ehefrau Veronica Lario darüber alles andere als erbaut war – und von ihrem Göttergatten eine öffentliche Entschuldigung verlangte. Die er zähneknirschend leistete. Um jetzt im Wahlkampf zu sagen: „Rechte Frauen sind viel schöner als linke.“
Das einstige Showgirl gibt dem neuen Kabinett aber nicht als einzige Glamour und Stoff für Berichterstattung fern der Politik. Mit der erst 31-jährigen Giorgia Meloni von der postfaschistischen Nationalen Allianz (AN) hat der vier Jahrzehnte ältere Berlusconi die jüngste Ministerin in der Geschichte Italiens auf Jugendpolitik angesetzt.
Daneben ist noch die 34-jährige Mariastella Gelmini für die Bildung zuständig, vor allem jedoch Umweltministerin Stefania Prestigiacomo, die als Abgeordnete schon einmal zur „Miss Parlamento“ gekürt worden war.
Sie sei „qualifiziert in Schönheit, aber nicht in Ökologie“, so mäkelte der renommierte Mailänder „Corriere della Sera“ und beklagte ganz allgemein den „Faktor Inkompetenz“ in der Regierung.
Wie auch immer: Medienzar Berlusconi setzt im Fernsehzeitalter bei seiner Politik ganz eindeutig auch auf Äußerlichkeiten.