Bernanke seit längerem einer der Favoriten
Bush-Berater wird Greenspan-Nachfolger

Die seit langem und mit Spannung erwartete Entscheidung über den wichtigsten Finanzposten der Welt ist gefallen: Der oberste Wirtschaftsberater von George W. Bush soll neuer Chef der amerikanischen Notenbank werden. Der US-Präsident hat am Montag Ben Bernanke als Nachfolger des 79-jährigen Alan Greenspan nominiert.

HB WASHINGTON. Greenspans 18-jährige Amtszeit bei der US-Notenbank (Fed) läuft zum 31. Januar aus. An den US-Börsen wurde Bernankes Nominierung zur Leitung der Notenbank der weltgrößten Volkswirtschaft positiv aufgenommen. Die wichtigsten Indizes zeigten sich deutlich im Plus. Bernanke will als Fed-Chef an die Politik seines Vorgängers anknüpfen. Er sagte: „Meine erste Priorität wird die Kontinuität der Politik und politischen Strategie der Greenspan-Jahren sein“.

Bernankes Nominierung muss noch vom US-Senat bestätigt werden. Analysten sehen aber hier wenig Schwierigkeiten, da Bernanke erst vor vier Monaten bei der Ernennung zum Wirtschaftsberater des Präsidenten eine ausführliche Befragung des Kongresses unterworfen war.

Bernanke genieße „großes Vertrauen in der Finanzwelt“, sagte Bush bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung. Er sei ein Mann von „starkem Charakter und großer Urteilskraft“ und genieße hohes Ansehen wegen seiner „intellektuellen Strenge und Integrität“. Bush würdigte zudem die Verdienste Greenspans, der „fast zwei Jahrzehnte unsere Wirtschaft durch Höhen und Tiefen begleitet hat“. Dank seines „klugen Urteils und weiser Politik“ sei die Inflation niedrig geblieben. Er habe eine wichtige Rolle für das starke Wachstum der US-Wirtschaft gespielt. Die Notenbank sei ein „Symbol der Integrität und Verlässlichkeit unseres Finanzsystems“, sagte der Präsident. Die Entscheidungen der Notenbank beeinflussten das Leben aller Amerikaner. Deshalb sei es die Bestimmung des „Fed“-Chefs „eine der wichtigsten Ernennungen eines US-Präsidenten“.

Bernanke galt seit längerem als einer der Favoriten für die Greenspan-Nachfolge. Fast drei Jahre gehörte der 51-Jährige dem Gouverneursrat der US-Notenbank an. Seit Juni hat der Fachmann für Geldpolitik und Makroökonomie den Vorsitz im Stab der Wirtschaftsberater des US-Präsidialamtes inne. Bernanke gehört den Republikanern an. Er ist jedoch kein aktives Mitglied der Partei von Bush und gilt als unabhängiger Denker.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, begrüßte die Nominierung und sicherte eine enge Zusammenarbeit mit Bernanke als Fed-Chef zu. In der US-Zinspolitik erwarten Volkswirte keine grundlegende Richtungsänderung nach 18 Jahren Greenspan. Allerdings gilt Bernanke im Gegensatz zu seinem Vorgänger als Anhänger eines öffentlich bekannten Inflationsziels, an dem die Zentralbank ihre Geldpolitik ausrichten soll.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%