Bernard-Henri Lévy
"Die Deutschen haben einen schlechten Außenminister"

Deutschlands Libyen-Politik steht massiv in der Kritik. Der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy nimmt besonders Außenminister Westerwelle aufs Korn, wirft ihm Inkompetenz vor und fordert dessen Rücktritt.
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Handelsblatt: Herr Lévy, mit seiner Intervention ist der Westen nun mitverantwortlich für das Geschehen in Libyen. Wenn es nach dem Sturz Gaddafis zu Racheakten kommen sollte, was dann?

Bernard-Henri Lévy: Versuchen, sie zu verhindern, natürlich. Auch da hätten wir eine »Schutzverantwortung«. Aber ich sehe zurzeit nicht, dass es in großem Stil dazu kommt. Natürlich kann ich mich täuschen. Aber ich habe diese jungen Kämpfer gesehen, ihre Kommandeure, ihre politischen Führer. Ich halte sie grundsätzlich für gute Leute. Und sie wissen, dass die Welt auf sie blickt. Sollte es dennoch zu einer Welle von Repressalien kommen, so dürften politische Initiativen ausreichen - und gewiss keine größeren militärischen Aufgebote nötig sein.

Aber vielleicht in Syrien, wo ein libysches Szenario möglich ist?

Gehen Sie noch einen Schritt weiter, und Sie sind bei: »Da wir nicht überall sein können, sind wir besser nirgendwo.« Hüten wir uns vor dieser Falle! Derzeit gibt es eine Operation in Libyen. Die muss zum Erfolg führen. Was den Rest betrifft, speziell Syrien: Wenn wir in Libyen Erfolg haben, dann haben die anderen Diktaturen Grund zum Nachdenken, angefangen mit Baschar al-Assad. Scheitern wir aber und Gaddafi hält sich, dann spüren die anderen Dreckskerle Aufwind. Die Intervention in Libyen ist praktisch auch eine in Syrien.

In Arabien reagiert man sehr sensibel auf alles, was nach Neokolonialismus aussehen könnte. Hier und da beginnt man sich zu fragen, wem diese Intervention eigentlich gehört - dem Westen oder den arabischen Ländern.

Zur Stunde sind sechs Flugzeuge aus Qatar und zwölf aus den Emiraten am libyschen Himmel. Und die Arabische Liga hat trotz anfänglichen Wirrwarrs die Intervention zum Schutz der Zivilisten gefordert. Was braucht es mehr, um diese Kritiker zu beruhigen? Wie lange wollen diese merkwürdigen Zeitgenossen eigentlich noch ihre alte Platte vom bösen Imperium abspielen, das hinter allem stehe?

Ihre Kritik gilt auch den Deutschen?

Der Populärpazifismus des Herrn Westerwelle hat dazu geführt, dass die Koalition wertvolle Zeit verlor. Seit Jahrzehnten hat es keine dermaßen tiefe Uneinigkeit zwischen Deutschland und Frankreich mehr gegeben.

Wie erklären Sie die deutsche Position?

Erstens durch bösen Zufall. Den unglücklichen Umstand, dass ein mittelmäßiger, inkompetenter, vielleicht sogar ahnungsloser Minister Regie führt, der, wie damals Haider oder heute Berlusconi, dem Weltdesaster nicht gewachsen ist, das Gaddafi heißt. Sodann durch die Tatsache, dass ein Mann wie zu Guttenberg, der - wer weiß? - die Dinge vielleicht ins Lot gebracht hätte, unmittelbar vor der Krise gezwungen war, zu gehen. Und schließlich durch die kurzsichtige Wahltaktik einer Frau Merkel.

Wie könnte Deutschland den Schaden begrenzen?

Kurzfristig: Westerwelle feuern. Mittelfristig: Zusammen mit Frankreich die Scherben aufsammeln. Und langfristig ... da will ich Ihnen mal etwas sagen, dass Ihnen vielleicht absurd vorkommt. Aber wenn man den Fall Libyen für ein bedeutendes Ereignis zu Beginn dieses Jahrhunderts hält, wenn man glaubt, dass Europa vor einem Wendepunkt seiner gemeinsamen Zukunft mit Arabien und dem Mittelmeerraum steht, dann muss man in diesen Tagen sehr genau festhalten, wer sich wem annähert oder sich von wem entfernt - also: Warum sollte man nicht dieser quer liegenden, Parteien übergreifenden, anderen Großen Koalition all jener, die an eine Pflicht zum Eingreifen glaubten und das Versäumnis kritisieren, warum also sollte man ihr nicht eine Form geben? Ich weiß nicht, welche, aber jedenfalls eine Form. Wer Ohren hat zu hören, der höre!

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"Wenn Gaddafi nach Bengasi kommt, wird es ein Blutbad geben"

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  • " 1995 erbte Lévy von seinem Vater das Unternehmen Becob und wurde dessen Manager. Es wurde unter anderem in einem Bericht der kanadischen Regierung vorgeworfen, dass unter Lévy im Unternehmen afrikanische Arbeiter sklavenähnlich behandelt wurden. In Bedrängnis geriet er auch wegen Vorwürfen des Insiderhandels und einer drohenden Anklage wegen Steuerhinterziehung, die jedoch vom damaligen Finanzminister Nicolas Sarkozy abgebrochen wurde."

  • Herr Bernard-Henri Lévy darf in Frankreich ungestraft als Betrüger bezeichnet werden. Sein Ruf ist ihm völlig egal, Hauptsache seine Aktivitäten bringen Geld. Als Vorsitzender der staatlichen Filmkommission förderte er beispielsweise gerne seine eigenen Filme. Ausgerechnet jemand mit so einen krummen Verständnis von Demokratie ruft nach "mehr Demokratie"? Mir wird schlecht. Sein Letzjahreswerk "Vom Krieg in der Philosophie" wurde nicht einmal in der Luft zerrissen, zum Start hat es nicht gereicht.

    Wie zieht das Handelsblatt nur immer solche Interviewkandidaten her? Ach heute ist der 1. April! Da habe ich aber schon einmal herzhafter gelacht ...

  • Herr Lévys Meinung ist eine unter vielen. Was qualifiziert gerade ihn dazu vom Handelsblatt zitiert zu werden?
    Ich mag Herrn Westerwelle auch nicht aber die Art und Weise wie Sie aktuelle Themen in der Online-Ausgabe des Handelsblattes präsentieren ist blanker Populismus. Darüber hinaus halten Sie es leider noch nicht einmal für nötig Kommentatoren, die sich in ihrer Wortwahl vergreifen, an die Richtlinien zu erinnern.

    Ich möchte hier keine vulgären, beleidigenden Äußerungen lesen und wie ich einem vorangegangenen Kommentar entnehmen kann, wollen das andere Teilnehmer auch nicht.

    Kurzum: das renommierte Handelsblatt begibt sich im Internet auf das Niveau einer Wirtschafts-Bildzeitung.

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