Bernd Paffenbach
Merkels Sherpa: „Schuldenanstieg belastet die Weltwirtschaft“

Bernd Paffenbach, Staatsekretär im Bundeswirtschaftsministerium, trifft für Kanzlerin Merkel die Vorbereitungen für den Weltwirtschaftsgipfel der G8. Im Handelsblatt spricht der „Sherpa“ über den Gipfel, Subventionspolitik in Zeiten der Krise und warum er internationale Schuldenregeln fordert.

Handelsblatt: Rund um den Globus steigen die Schulden so schnell wie nie zuvor. Kann die Weltwirtschaft die Schuldenexplosion verkraften?

Bernd Pfaffenbach: Dieses Thema der wachsenden Verschuldung in den Industrie- und Schwellenländern wird uns bei den vorbereitenden Gesprächen zum G8-Weltwirtschaftsgipfel in Italien sicher stark beschäftigen. Ich halte es für sinnvoll, dass sich alle großen Wirtschaftsnationen auf nationale Schuldenregeln verpflichten. Dabei sollte es nicht nur um absolute Grenzen der Neuverschuldung gehen, sondern auch um verbindliche Vorschriften zum Schuldenabbau. Vorbild könnte der Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt sein, der in den vergangenen Jahren zu einem deutlichen Abbau der Neuverschuldung in den EU-Ländern geführt hat. Der weltweite Anstieg der Staatsschulden könnte eine ernsthafte Belastung für die Wachstumsmöglichkeiten der Weltwirtschaft werden.

Das gilt auch für den größten Defizitsünder USA?

Ich beobachte mit Sorge die Schuldenexplosion der größten Volkswirtschaft der Welt. Auch die USA sollten sich für eine wirkungsvolle Schuldenbremse entscheiden, weil die Finanzierung amerikanischer Staatsanleihen auf Dauer schwieriger wird. Denn auch China, das bisher über Währungsreserven von rund 2 000 Mrd. US-Dollar verfügt, leidet unter der weltweiten Krise und wird nicht grenzenlos als größter Kreditgeber Amerikas zur Verfügung stehen können. Die neue amerikanische Regierung müsste allein aus diesem Grund ihre Schuldenpolitik überdenken.

Leidet unter der Schuldenpolitik nicht auch die US-Währung?

Ich möchte nicht über Wechselkursentwicklungen spekulieren. Allerdings sind die USA in einer sehr schwierigen Situation. Auf der einen Seite würde ein schwächerer Dollar-Kurs die amerikanischen Exporte beflügeln, andererseits würde mit einer solchen Entwicklung die Attraktivität der USA für ausländische Kapitalanleger erheblich sinken.

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