Bertelsmann-Studie
Deutschland bleibt Schlusslicht

Deutschland verliert als Wirtschaftsstandort einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge weiter an Boden. In einem Vergleich von 21 Industrieländern bleibt Deutschland Schlusslicht bei Wachstum und Beschäftigung.

HB DÜSSELDORF. „Während die meisten Länder in den vergangenen Jahren zum Teil bemerkenswerte Erfolge bei der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit und der Erzielung von Wirtschaftswachstum verbuchen konnten, treten insbesondere die großen kontinentaleuropäischen Länder Frankreich, Italien und Deutschland weiter auf der Stelle“, erklärte die Stiftung zu dem am Donnerstag vorgelegten Vergleich von 21 Industrieländern.

>>> PDF-Download: Kurzfassung der Studienergebnisse

„Deutschland muss seine Reformbemühungen deutlich verstärken, um nicht langfristig den Anschluss zu verlieren“, mahnte der Präsidiumsvorsitzende der Stiftung, Heribert Meffert. Deutschland landete bei der Studie beim Erfolg der Wirtschaft - gemessen an Wachstum und Arbeitsmarkt - auf dem letzten Platz.

Bei den Aktivitäten für die zukünftige Wirtschaftsentwicklung - gemessen an Größen wie Investitionen, Staatsverschuldung oder Abgabenlast - schnitt nur Italien noch schlechter ab. An der Spitze des Erfolgsrankings lag Irland, vor den USA, Australien, Norwegen und Neuseeland. Bei den Zukunfts-Aktivitäten führte Australien vor Neuseeland, Irland, den USA und der Schweiz.

Alarmstufe Rot

Seit Beginn des Jahrzehnts gilt den Forschern der Bertelsmann Stiftung zufolge in Deutschland bei Wachstum und Beschäftigung die Alarmstufe Rot. „Äußerst Besorgnis erregend stimmt zudem die Tatsache, dass ein Ende der Talfahrt nicht abzusehen ist“, hieß es in der Studie. Der Punkteabstand zum vorletzten Platz in der Erfolgsrangliste habe sich allein in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Dabei bewerteten die Forscher nicht die absoluten Größen, sondern die Veränderung von Arbeitslosigkeit und Wachstum im internationalen Vergleich.

Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf landete Deutschland inzwischen nur noch auf dem 16. Platz, beim Potenzialwachstum nur noch an 17. Stelle. „Nicht nur in den Ländern mit traditionell hohem Einkommen wie den USA und der Schweiz wird mehr Inlandsprodukt pro Kopf erwirtschaftet. Auch Belgien, Dänemark oder die Niederlande konnten Deutschland mittlerweile klar distanziert“, erklärte Meffert. An letzter Stelle des Vergleichs lag Deutschland beim Zuwachs der Erwerbstätigkeit, auf dem 18. Platz bei der Entwicklung der Arbeitslosenquote.

Andere Länder fitter für die Zukunft

Doch auch bei den auf die Zukunft gerichteten Größen fanden die Forscher wenig Lichtblicke. Bedenklich sei, dass Deutschland bei den Investitionen gemessen am Bruttoinlandsprodukt den letzten Platz belege. „Der Investitionsanteil ist ein wichtiger Gradmesser für die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, Wachstum und neue Beschäftigung zu schaffen.“ Im hinteren Teil der Rangliste lag Deutschland bei Abgabenlast und der Konjunkturentwicklung, an letzter Stelle bei der Altersarbeitslosigkeit.

Auch bei Staatsquote und -verschuldung schnitten über die Hälfte der Länder besser ab. Deutschland müsse die Aktivitäten des Staates deutlich zurückfahren, um so Steuern und Abgaben senken zu können und die Wirtschaft anzukurbeln, forderten die Forscher. Einen Spitzenplatz belegte Deutschland nur bei der Verhinderung der Jugendarbeitslosigkeit. Auch bei der Streikquote landete Deutschland noch im oberen Fünftel. Der soziale Friede sei zwar ein Standortvorteil, schrieben die Forscher.

„Auf der anderen Seite jedoch haben die Arbeitgeber für die niedrige Streikhäufigkeit einen Preis zu zahlen, der sich in vergleichsweise hohen Löhnen und hohen Kosten für die Absicherung des Einzelnen (zum Beispiel starke Kündigungsschutzregelungen) ausdrückt.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%