Berüchtigter Militärchef Mullah Dadullah getötet
Schwerer Schlag gegen Taliban-Miliz

Einer der meist gefürchteten Rebellenführer der afghanischen Taliban-Miliz ist offenbar ums Leben gekommen. Der Leichnam Mullah Dadullahs befinde sich in Kandahar im umkämpften Süden, sagte ein Sprecher des afghanischen Geheimdienstes am Sonntag in Kabul. Der Gouverneur von Kandahar, Assadullah Chalid, bestätigte den Tod des Muslim-Extremisten.

KANDAHAR/KABUL. Dadullah sei in der Nacht zuvor in der Unruheprovinz Helmand bei Kämpfen mit Soldaten der afghanischen Regierungstruppen und der Nato getötet worden, sagte Chalid der Nachrichtenagentur Reuters. Er selbst habe die Leiche gesehen. „Mullah Dadullah war das Rückgrat der Taliban“, sagte der Gouverneur. „Er war ein brutaler und grausamer Kommandeur, der afghanische Zivilisten getötet und enthauptet hat.“ Gemeinsam mit der afghanischen Armee hatten die Nato und die US-Truppen zuletzt ihre Einsätze gegen die Taliban in der Region verstärkt. Ein Taliban-Sprecher, Kari Jussef Ahmadi, sagte hingegen, dass Dadullah am Leben sei.

Der Tod Dadullahs ist ein schwerer Schlag für die Taliban, die seit ihrem Sturz Ende 2001 gegen die neue Regierung in Kabul und die ausländischen Truppen im Land kämpfen. Er ist der einflussreichste Taliban, der seitdem getötet wurde. In den vergangenen Jahren gab es bereits mehrfach Berichte über Dadullahs Tod oder Gefangennahme, die sich als falsch herausstellten.

Der Kommandeur galt als einer der wichtigsten militärischen Führer der Taliban im Süden Afghanistans. Im Kampf gegen die sowjetische Besetzung des Landes verlor er in den 80er Jahren sein linkes Bein. Der Paschtune führte 1999 ein Massaker an Angehörigen des Hasara-Volks in der Provinz Bamijan an, wo die Taliban im Jahr 2000 zwei historische Buddha-Statuen zerstörten. Seit dem Sturz der Taliban im Herbst 2001 avancierte Dadullah zum wohl prominentesten und meist gefürchteten Kommandeur der Untergrundkämpfer.

Dadullah gehörte dem zehnköpfigen Taliban-Rat an und war ein enger Vertrauter des untergetauchten Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar. Er leitete die Angriffe und Anschläge der Extremisten in Südafghanistan und soll auch für zahlreiche Entführungen von Ausländern verantwortlich gewesen sein.

Berüchtigt war der einbeinige Dadullah für seine Brutalität, die ihm den Beinamen der afghanische Sarkawi einbrachte, in Anlehnung an den von US-Truppen getöteten El-Kaida-Chef im Irak, Abu Mussab al-Sarkawi, der eigenhändig Entführungsopfer enthauptet haben soll.

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