Berufsbezogene Ausbildung: Britische Regierung erlaubt das McDonald’s-Abitur

Berufsbezogene Ausbildung
Britische Regierung erlaubt das McDonald’s-Abitur

Der britische Premier Gordon Brown will der berufsbezogenen Ausbildung neuen Schwung verleihen. So werden in Großbritannien künftig Schüler für McDonald's zwischen Schnellrestaurent und Schulbank pendeln können. Dies blieb jedoch nicht die einzige Maßnahme, die Brown am Montag ankündigte.

LONDON. Britische Jugendliche sollen künftig bei McDonald’s die Schulbank drücken können. Zusammen mit dem Billigflieger Flybe und dem Eisenbahnnetzbetreiber Network Rail erhielt die Fast-Food-Kette am Montag die Regierungserlaubnis, Lehrpläne zu entwickeln, die Schüler zum A-Level-Abschluss führen. Dieser entspricht dem deutschen Abitur und berechtigt zu einem Hochschulstudium.

Das Pilotprojekt soll bei der „Revitalisierung der berufsbezogenen Ausbildung“ helfen, wie der britische Premier Gordon Brown erläuterte. China bilde pro Jahr 200 000 Ingenieure aus, sagte der Regierungschef bei einer Präsentation mit Unternehmern, an der auch McDonald’s-Chef Steve Easterbrook teilnahm: „Vor einer Generation musste ein britischer Premier sich um den Rüstungswettlauf Gedanken machen. Heute muss er sich um den globalen Wettlauf im Können und Wissen sorgen.“ Um auch in Zukunft erfolgreich zu sein, müsse eine Nation „das Beste aus allen ihren Menschen herausholen.“

Die unabhängige Aufsichtsbehörde für Lehrpläne und Prüfungen (QCA) bestätigte, dass ein McDonald’s-Abschluss landesweit gelten wird und von Universitäten als Zulassung akzeptiert werden kann – etwa für einen Studiengang in Ernährungswissenschaft oder Lebensmitteltechnologie. Ziel der jüngsten Regierungsinitiative sei es, die Barrieren zwischen praktischer Berufsbildung und rein schulbezogenen Ausbildungsgängen niederzureißen, sagte ein QCA-Sprecher. Man wolle ein flexibleres System entwickeln um eine Kombination verschiedener Qualifikationen zu ermöglichen.

Für McDonald’s-Personalchef David Fairhurst zeigt die Erlaubnis, „wie gut unsere Ausbildungsgänge und unsere Standards sind“. Das Unternehmen reagiere auf den Wunsch der Angestellten nach Fortbildungsmöglichkeiten. Seit Januar werde bereits eine extern anerkannte Qualifikation für Managerschulung erprobt. Der Unternehmerverband CBI sieht in der neuen Maßnahme einen „Meilenstein bei der Reform der beruflichen Bildung“. Britische Unternehmer investierten jährlich 33 Mrd. Pfund in die Bildung ihrer Mitarbeiter, doch nur ein Drittel der Angebote führe zu allgemein anerkannten Qualifikationen.

Browns jüngste Bildungsoffensive wird von drei Ministerien unterstützt und soll vor allem demonstrieren, dass die Regierung trotz Spendenaffäre und Bankenkrise voll handlungsfähig ist. Der neue Minister für Arbeit und Renten, James Purnell, kündigte zudem eine Reform der Sozialgesetzgebung an, die noch von seinem wegen einer Parteispendenaffäre zurückgetretenen Amtsvorgänger Peter Hain ausgearbeitet wurde. Schlagzeilenträchtig wird die bisherige „Invalidenrente“ in eine „Zahlung für Beschäftigung und Unterstützung“ umgetauft. „Inaktive Männer und Frauen“ hätten in Zukunft nicht nur die Verpflichtung, Arbeit zu suchen, sondern sich auch fortzubilden. Wer sich verweigere, müsse mit Kürzungen der Hilfe rechnen.

Die Minister für Hochschulbildung, John Denham, und Familien und Schulen, Ed Balls, kündigten auch an, die Zahl der Ausbildungsplätze bis 2013 um 90 000 zu erhöhen. Bis 2020 sollen es gar 500 000 mehr sein. Die Royal Opera und der National Trust hätten bereits Lehrstellen versprochen, nun müssten andere folgen, auch im öffentlichen Dienst, mahnte Premier Brown. Vorgesehen ist eine nationale Lehrstellenvermittlung.

Die neue Bildungsoffensive der Regierung ist allerdings nicht unumstritten. Erst vor kurzem hatte Schulminister Balls berufsorientierte „Diplome“ als Alternative zu den A-Levels eingeführt. Angesichts der Vielzahl neuer Initiativen gerieten die Schulen „ins Taumeln“, warnte der Schuldirektorenverband.

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