Berufung angekündigt
US-Soldat wegen Folter zu acht Jahren Haft verurteilt

Ein Militärgericht hat einen US-Soldaten wegen körperlicher und sexueller Misshandlung irakischer Häftlinge im berüchtigten Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad zu acht Jahren Haft verurteilt.

HB BAGDAD. Der Militärpolizist Ivan Frederick wird zudem für seine Taten mit einer Degradierung seines militärischen Rangs und einer unehrenhaften Entlassung aus der Armee bestraft. Es ist mit Abstand die höchste Strafe, die bislang in Prozessen um die Misshandlungen in Abu Ghraib verhängt wurde. Der Anwalt des Reservisten bezeichnete das Urteil als überhöht und kündigte eine Berufung an. Frederick ist der ranghöchste Soldat, der sich in dem Folterskandal bisher vor Gericht verantworten musste. Zwei seiner Mittäter sind zu wesentlich geringeren Haftstrafen von acht Monaten und einem Jahr verurteilt worden. Insgesamt sind acht Angehörige des US-Militärs angeklagt.

Der 38-jährige Frederick hatte am Vortag ein Geständnis abgelegt und unter anderem zugegeben, drei Gefangene zur Selbstbefriedigung gezwungen zu haben. Außerdem hatte er einen Häftling so fest gegen die Brust geschlagen, dass dieser wiederbelebt werden musste.

„Er ist ein erwachsener Mann und in der Lage, den Unterschied zwischen Falsch und Richtig zu erkennen“, sagte der Vertreter der Anklage, Michael Holley, über Frederick. „Wie viel Ausbildung braucht man, um zu lernen, dass es falsch ist, einen Mann zur Selbstbefriedigung zu zwingen?“

Fredericks Anwalt Gary Myers stimmte einer Verurteilung seines Mandanten zu, machte aber die Armee für dessen Taten mit verantwortlich: „Es gibt auch eine Verantwortung der Organisation.“ Die Verteidiger anderer Angeklagter hatten sogar angekündigt, US-Präsident George W. Bush und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld als Zeugen befragen zu wollen. Deren Politik im Rahmen ihres Kampfes gegen den Terrorismus hätten ein Klima geschaffen, das Misshandlungen begünstigt habe, sagten sie.

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