Besatzung unverletzt
Tornado-Bruchlandung in Afghanistan

Beim Einsatz der deutschen Tornados in Afghanistan hat es knapp zwei Wochen nach Beginn der Aufklärungsflüge einen ernsten Zwischenfall gegeben. Bei der Bruchlandung eines Tornados blieb die Besatzung unverletzt.

HB KABUL. Nach dem 20. Einsatzflug der Tornados sei am Samstag bei der Landung bei einer der beiden Maschinen das Bugfahrwerk „abgerissen“, berichtet der Sprecher des Einsatzgeschwaders im nordafghanischen Bundeswehr-Standort Masar-i-Scharif, Hartmut Beilmann, Die Besatzung sei bei der Bruchlandung unverletzt geblieben. „Es bestand zu keiner Zeit Gefahr für Leib oder Leben eines Menschen.“ Der Tornado sei nach dem Abriss des Fahrwerks nach vorne gekippt. die Wucht des Aufpralls sei von dem an der Unterseite der Maschine angebrachten torpedoförmigen Behälter mit den drei hochspezialisierten Aufklärungskameras aufgefangen worden, so Beilmann. Dabei sei der Recce-Pod genannte Behälter beschädigt worden.

Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam sagte, die Maschine sei wie üblich mit einem Piloten und einem Waffensystemoffizier besetzt gewesen. Beide würden nun zu dem Hergang des Zwischenfalls befragt. „Die Untersuchungen laufen“, sagte der Sprecher. Ob der Einsatz der Tornados in Afghanistan planmäßig fortgesetzt werde, könne daher noch nicht gesagt werden. Geschwadersprecher Beilmann sagte, die Besatzung werde vorsorglich vom Fliegerarzt untersucht. Der „Alarmkreis“ habe bei der Bruchlandung sehr gut funktioniert. Die Feuerwehr sei sofort an der Maschine gewesen und habe einen Schaumteppich gelegt. Der Tornado werde nun mit einem schweren Kran geborgen. Der nächste NATO-Aufklärungsflug der deutschen Tornados sei erst für Montag geplant gewesen, daher bleibe Zeit für die Untersuchung. Als mögliche Ursache des Unfalls gilt die Landebahn in Masar-i-Scharif, die wellig ist.

Die sechs Bundeswehr-Tornados aus dem schleswig-holsteinischen Jagel hatten am Sonntag vor knapp zwei Wochen ihre Aufklärungsflüge für die NATO in Afghanistan begonnen. Die Maschinen waren am 5. April im Bundeswehr-Standort Masar-i-Scharif angekommen und hatten anschließend mit Einweisungsflügen begonnen. Die Tornados unterstützen mit der Aufklärungsmission den Kampf der NATO-geführten Internationalen Schutztruppe ISAF gegen die radikal-islamischen Taliban. Der Einsatz ist in Deutschland umstritten.

Kanada wünscht sich unterdessen ein größeres militärisches Engagement Deutschlands in Afghanistan. Bisher trügen Kanada und einige andere Länder die hohen Lasten der Kampfeinsätze im Süden Afghanistans allein, sagte der kanadische Außenminister Peter MacKay am Samstag in Brüssel. Die NATO-Partner hätten Deutschland um mehr Engagement gebeten. Zur Afghanistan-Mission gehörten auch Kampfeinsätze im unruhigen Süden. Er habe darüber auch mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier gesprochen.

Die Bundeswehr hat ihren Einsatzschwerpunkt im relativ ruhigen Norden des Landes. Deutsche Soldaten sind auch in der Hauptstadt Kabul stationiert. Die Bundesregierung hat Forderungen aus der NATO nach einem militärischen Engagement im Süden bislang stets eine Absage erteilt. Deutschland stellt derzeit knapp 3200 ISAF-Soldaten, 190 davon für den Tornado-Einsatz. Bislang kamen 18 deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben, zehn davon gewaltsam.

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