Beschluss im EU-Parlament
Big Brother auf dem Beifahrersitz

Ein elektronisches Notrufsystem wird ab dem Jahr 2018 in der EU in Autos und kleinen Nutzfahrzeugen Pflicht. Datenschützer warnen jedoch vor Missbrauch. Dabei soll das System vor allem eins: Leben retten.
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BrüsselEin einfacher An/Aus-Knopf hätte Europas Liberale kompromissbereit gestimmt. So aber bleibt ihnen vor allem eins: ärgern „Die Mehrheit des Parlaments hat sich für den gläsernen Autofahrer entschieden“, kritisierte die verkehrspolitische Sprecherin der liberalen Fraktion, die FDP-Abgeordnete Gesine Meißner nach der Abstimmung über ein verpflichtendes eCall-Notrufsystem. Die Daten könnten theoretisch auch dazu genutzt werden, um Bewegungsprofile von Autofahrern zu erstellen. „Big Brother fährt künftig als Beifahrer mit“, warnt Meißner.

Nach der Zustimmung der Volksvertreter wird das automatische Notrufsystem eCall ab April 2018 in allen neuen Pkw-Modellen in der EU zur Pflicht. Bei einem Unfall soll eCall automatisch den einheitlichen europäischen 112-Notruf auslösen. Die abgesandten Daten sollen die Helfer schneller zum Unfallort führen – auch dann, wenn der Fahrer bewusstlos ist. Im vergangenen Jahr gab es in der EU rund 25.000 Tote bei Verkehrsunfällen. Nach Schätzungen der EU-Kommission wird das elektronische Notfallsystem die Zahl der Unfalltoten in Europa um zehn Prozent verringern. Auch die Grüne Fraktion hatte die Verordnung abgelehnt, weil sie Begehrlichkeiten für den Zugriff auf die während der Fahrt gesammelten Daten wecken könnte. Doch ist die Sorge berechtigt?

Nein, sind sich Vertreter der zwei großen Fraktionen der Christdemokraten und Sozialdemokraten sicher. „Die Nachverfolgung eines Fahrzeugs und die Datenspeicherung sind nur soweit zulässig, wie es für die Notfallrettung erforderlich ist. Die Daten werden umgehend gelöscht und auch nicht an Dritte weitergegeben“, bekräftigt Axel Voss (CDU). Und die Sprecherin der Sozialdemokraten im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, Evelyne Gebhardt(SPD) betonte: „eCall ist ausdrücklich ein sogenanntes schlafendes Notrufsystem – Positionsdaten werden nur im Falle eines Notfalls übermittelt.“

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßte das System. „eCall kann bei Unfällen die Rettungszeiten verkürzen und leistet damit einen Beitrag für mehr Verkehrssicherheit“, sagte Verbandschef Matthias Wissmann. Entscheidend sei nun, dass parallel zum Einbau in die Fahrzeuge auch die Rettungsleitstellen ausgerüstet und für eCall vorbereitet würden.

Die von den Autoherstellern angebotenen privaten Notrufsysteme können dem Beschluss zufolge auch künftig weiter genutzt werden. „Diese Systeme haben ihre Wirksamkeit in der Praxis längst bewiesen und bringen den Autofahrern zusätzlichen Nutzen. Sie ermöglichen zum Beispiel auch im Ausland die Kommunikation mit den Helfern in der Muttersprache“, sagte Wissmann.

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Werden auch Alkoholmessgeräte zur Pflicht?

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  • Zitat:“Die Daten könnten theoretisch auch dazu genutzt werden, um Bewegungsprofile von Autofahrern zu erstellen.“

    Nicht nur theoretisch, sie werden garantiert dazu genutzt werden.

    Auch wenn – Zitat: „Die Nachverfolgung eines Fahrzeugs und die Datenspeicherung sind nur soweit zulässig, wie es für die Notfallrettung erforderlich ist. Die Daten werden umgehend gelöscht und auch nicht an Dritte weitergegeben“, … „eCall ist ausdrücklich ein sogenanntes schlafendes Notrufsystem – Positionsdaten werden nur im Falle eines Notfalls übermittelt.“
    Ja, und der NSA hatte auch nie das Recht Daten abzugreifen und Plisching-Mails sind kokolores und es gibt niemanden den ein Bewegungsprofil interessiert.

    Zitat:“ Die abgesandten Daten sollen die Helfer schneller zum Unfallort führen – auch dann, wenn der Fahrer bewusstlos ist.“
    Also auch wenn niemand die Taste drückt kommt der Rettungswagen. Wenn ich also auf ein stehendes geparktes Auto auffahre meldet das Auto „Unfall – Hilfe“ Wenn jemand gegen einen Zaun knallt wird ein Unfall gemeldet.

    Wie oft wird es passieren, dass ein Rettungswagen gerade zu einer Falschmeldung unterwegs ist während ein Herzinfarktpatient daheim stirbt?
    Einmal wäre bereits einmal zu viel!

  • Dann suche ich mir halt einen KFZ-Mechaniker, der mir das Ding abstellt (und, falls erforderlich, notfalls zum nächsten TÜV-Termin wieder funktionstüchtig macht).
    So wie es Angebote von "Tachojustierern" gibt, wird es auf dem Markt dann auch welche für "e-call-Abschalter" geben.
    Ich brauche keine weitere Gängelung. Ich entscheide für mich selbst, ob mir meine persönliche Freiheit oder meine Sicherheit wichtiger ist.

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