Beschränkung gelockert: Zyprer dürfen wieder mehr Geld überweisen

Beschränkung gelockert
Zyprer dürfen wieder mehr Geld überweisen

Zypern hat die Beschränkungen für Finanztransaktionen wieder gelockert und einen Teil der eingefrorenen Guthaben der Bank of Cyprus wieder freigegeben. Gleichzeitig werden Vorwürfe der Kapitalflucht von Anlegern laut.
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NikosiaFünf Tage nach Wiedereröffnung der Banken hat Zypern die strengen Beschränkungen für den Zahlungsverkehr leicht gelockert. Nach Mitteilung der Regierung vom Dienstag in Nikosia sind jetzt Überweisungen für geschäftliche Zwecke bis zu 25 000 Euro pro Tag und Konto erlaubt, statt bislang nur 5000 Euro.

Transfers oberhalb der Grenze bedürfen weiterhin der Zustimmung der Zentralbank. Außerdem wird bis zu einer Grenze von 9000 Euro der Gebrauch von Schecks erlaubt; Schecks dürfen allerdings weiterhin nicht als Bargeldersatz eingesetzt werden. Außerdem sollen die zyprischen Behörden in Abtimmung mit den internationalen Geldgebern entschieden, einen kleinen Teil der eingefrorenen größeren Guthaben der Bank of Cyprus wieder freizugeben.

Das Limit für Abhebungen bleibt bei 300 Euro. Der Höchstbetrag gilt pro Person und Bank. Ebenfalls bestehen bleibt das Verbot, bei Auslandsreisen mehr als 1000 Euro Bargeld pro Person mitzunehmen.

Großkunden der schwer angeschlagenen Bank of Cyprus werden aber absehbar nur an zehn Prozent ihres Geldes herankommen. Dies teilte Zentralbanker Jangos Dimitriou am Dienstag im Staatsfernsehen des Landes mit. Die Geldgeber-Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), EU und Internationalem Währungsfonds (IWF), befürchte weiter eine Kapitalflucht. Auf einer bis in den frühen Morgen dauernden Nachtsitzung mit Zentralbankchef Panikos Demetriades und Finanzminister Michalis Sarris hätten die Vertreter der Troika auf dieser Interimsregelung bestanden, sagte Dimitriou.

Der Präsident des zyprischen Arbeitgeber- und Industriellenverbandes (OEB), Michalis Pilikos, äußerte sich im Staatsfernsehen enttäuscht über den Beschluss. Viele Unternehmen würden nicht in der Lage sein, Löhne auszuzahlen. Großanleger mit Guthaben über 100.000 Euro sollen eine Abgabe in Höhe von 37,5 Prozent zahlen, weitere 22,5 Prozent werden als „Notreserve“ für einen möglichen weiteren Abschlag blockiert. Ursprünglich war von der Regierung in Aussicht gestellt, dass die restlichen 40 Prozent für Anleger der Bank of Cyprus schon ab Dienstag verfügbar sein werden.

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades hat unterdessen einen Richterausschuss ernannt, der die Ursachen der schweren Finanzkrise ermitteln soll. Normale Bürger, die die Last der „Taten und Unterlassungen“ von Beamten tragen müssten, erwarteten, dass die Verantwortlichen bestraft würden, erklärte Anastasiades am Dienstag. Er erklärte, die Überprüfung solle nicht nur seine angeheirateten Verwandten betreffen, sondern auch auf seine bisherige Anwaltskanzlei ausgeweitet werden. „Ich bitte Sie daher, mit Vorrang und besonderer Strenge zu prüfen, was mir direkt oder indirekt vorgeworfen wird“, sagte Anastasiades während der Vereidigung der Untersuchungskommission.

Anastasiades ging damit auf Vorwürfe einer Zeitung ein, wonach ein Familienmitglied des Präsidenten in umstrittene Geldtransaktionen verwickelt gewesen sein soll. So habe dessen Firma bereits Tage vor der Einigung Zyperns mit den internationalen Kreditgebern auf ein milliardenschweres Rettungspaket, Geld bei der angeschlagenen Laiki Bank abgehoben. Auch andere Bankkunden sollen nach Warnungen vor Zwangsabgaben rechtzeitig hohe Summen ins Ausland geschafft haben. Die Kommission aus drei ehemaligen Richtern soll sich mit Ursachen der Krise befassen, aber auch mit den Vorwürfen der Kapitalflucht von Anlegern, die Mitte März Insiderinformationen über bevorstehende harte Maßnahmen genutzt haben sollen, um hunderte Millionen ins Ausland zu bringen.

Laut Medienberichten sollen vor den strengen Beschlüssen der Euro-Gruppe für die Bankensanierung Gelder in Höhe von rund 700 Millionen Euro von Unternehmen ins Ausland gebracht worden sein. Griechische Medien berichteten von 136 Firmen, die daran beteiligt sein sollen.

Die Firma A. Loutsios and Sons Ltd., an der die Familie des Präsidenten-Schwiegersohns nach Medienberichten beteiligt ist, soll wenige Tage vor der Schließung der Banken Zyperns 21 Millionen Euro nach Großbritannien überwiesen haben. Das Unternehmen bestätigte die Überweisung, dementierte aber, dass es Informationen aus dem Präsidentenamt erhalten habe. Die Firma habe im Rahmen ihrer normalen Tätigkeit das Geld überwiesen, sie habe aber auch mehrere Millionen Euro auf Konten bei zyprischen Banken belassen und dadurch - wie viele andere Zyprer - hohe Verluste erlitten.

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  • Zitat : Nach einem Bericht der Zeitung „Phileleftheros” wurden in der jüngsten Version des mit der Troika vereinbarten Rettungspakets für dieses Jahr ein primäres Defizit (ohne Zinszahlungen) von 2,4 Prozent und ein primärer Überschuss von vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2017 vereinbart. Der Entwurf der Vereinbarung sehe auch Ausgabensenkungen im Volumen von 351 Mio. Euro oder 2,1 Prozent des BIP sowie Einnahmenerhöhungen vor, berichtete die Zeitung weiter.

    - Dieser Entwurf und Vereinbarungen sind das Papier nicht wert , auf dem diese geschrieben ( zusammengelogen ) sind !

    - Ein Primärüberschuß 2017.......wovon träumt diese Troika ?

    - 2017 ist die Arbeitslosigkeit auf Zypern nahe 40 %, Staatsdefizit bei 10 %, Verschuldung bei 200%.....!

    Und Zypernmafiosos mit Troika können jetzt versuchen zu korrigieren und zu vertuschen soviel sie wollen...das Kind liegt im Brunnen !

  • Na also, geht doch! Wir sind auf dem Weg der Besserung. Und in 2 Monaten spricht eh keiner mehr über unsere schöne Insel.

    - Die EU-Milliarden sind gut angelegt.
    - Die Guthaben der wichtigsten Bankkunden wurden rechtzeitig in Sicherheit gebracht.
    - Und wenn die Kugel auf dem Roulettetisch sich dreht, dann rollt auch wieder der Rubel.

    Also, wozu die ganze Aufregung, ist doch eh nicht euer Geld! Macht euch einen schönen Tag, schaltet mal ab, nicht zu sehr an die Finanzen denken, dass ist ungesund. Ihr müsst euch mehr entspannen, wir machen es euch doch vor wie es geht. Also schönen Tag noch, einen lieben Gruß von der Insel der Glückseeligen.

  • 12,5% Unternehmenssteuer sind doch immer noch lächerlich wenig, im Vergleich zu Deutschland, Frankreich, Holland, etc. Ich dachte das Geschäftmodell solle so nicht fortgeführt werden?!

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