Besiegelung neuer Ölverträge
China stützt Afrikas korrupte Regime

Chinas wirtschaftliche Expansion in Afrika stößt im Westen zunehmend auf Kritik. Menschenrechtler kritisieren, dass Peking auf dem Kontinent vor allem korrupte oder international geächtete Regime hofiert.

KAPSTADT. Aber auch in Peking sind die Verträge, die Präsident Hu Jintao von seiner am Wochenende zu Ende gegangenen Afrika-Reise mitbrachte, nicht unumstritten: Wenn er die Afrika-Politik seines Landes sehe, fühle er sich in vielerlei Hinsicht an die koloniale Besitznahme des Kontinents durch Europa erinnert, sagt ein Wissenschaftler an der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, der ungenannt bleiben möchte.

Ein Beispiel für Pekings Politik ist Kenia: Während die Niederlande wegen der grassierenden Korruption gerade ein fast 150 Mill. Dollar schweres Hilfspaket storniert haben, unterzeichnete Hu in Nairobi ein Abkommen zur Erschließung von Ölfeldern und Verträge über eine stärkere Kooperation im Straßenbau und im Kampf gegen Malaria. Kenias Präsident Mwai Kibaki, aber auch Simbabwes Diktator Robert Mugabe fordern schon lange, dass Afrika sich vom Westen abwenden und dafür stärker nach Osten schauen sollte.

Dass China angesichts seines enormen Rohstoffhungers kaum Risiken scheut, zeigt auch das Engagement in Nigeria. Hier hat Hu den Kauf von vier Erdölkonzessionen besiegelt. Im Gegenzug wird Peking rund vier Mrd. Dollar in eine Ölraffinerie im Norden von Nigeria stecken. Bereits zu Jahresbeginn hatte sich ein chinesischer Staatskonzern für 2,3 Mrd. Dollar in eine Konzession für ein Ölfeld vor der nigerianischen Küste eingekauft. Den 45-Prozent-Anteil hatte ein nigerianischer Ex-Verteidigungsminister verkauft, der das Paket noch zu Zeiten der Militärdiktatur erhalten hatte. Dass die Besitzverhältnisse ungeklärt sind und die Konzession mit zahlreichen Auflagen behaftet ist, schreckte die Investoren aus dem Reich der Mitte nicht.

Allerdings sieht China Afrika nicht nur als Rohstofflieferant, sondern auch als Absatzmarkt für seine vielen billigen Konsumgüter, die sich wegen der minderen Qualität im Westen schwer verkaufen lassen. Inzwischen hat Peking Handelsverträge mit 40 afrikanischen Staaten geschlossen. Ein chinesischer Telefonkonzern erhielt den Zuschlag zur Wartung der Mobilfunknetze in Kenia, Simbabwe und Nigeria. Gleichzeitig ist im Zuge dieser Expansion die Textilbranche in Südafrika, aber auch in Lesotho und Malawi durch den Zustrom von Billigwaren massiv unter Druck geraten. Der Warenaustausch zwischen China und Afrika überstieg vergangenes Jahr erstmals die Marke von 30 Mrd. Dollar – ein Plus von mehr als 30 Prozent pro Jahr seit 2001. Schon in fünf Jahren könnte das Reich der Mitte bei diesem Tempo zu den drei größten Investoren auf dem Kontinent zählen.

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