Besonders heikel war seine Rolle vor dem US-Krieg gegen den Irak 2003
Porträt: Mohammed el Baradei

Mohammed el Baradei (63) steht seit rund acht Jahren im Brennpunkt des internationalen Interesses. Seit der Ägypter 1997 Nachfolger des Schweden Hans Blix an der Spitze der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) wurde, bewegt sich der Diplomat und Jurist in einem politischen Raum, in dem Lob selten, Kritik von vielen Seiten jedoch an der Tagesordnung ist.

HB WIEN. Vor allem die USA machten unter George W. Bush keinen Hehl daraus, dass ihnen die die Art und Weise, wie Baradei zunächst mit dem Irak umging und jetzt mit Iran über deren Atomprogramme verhandelt, zu nachgiebig ist. Bagdad und Teheran wiederum haben Baradei und die IAEO immer wieder beschuldigt, nur Erfüllungsgehilfe Washingtons zu sein.

Der am 17. Juni 1942 in Ägypten geborene Baradei studierte zunächst Rechtswissenschaften in Kairo. Seit 1964 arbeitete er als Diplomat unter anderem in den Vertretungen seines Landes bei den Vereinten Nationen in Genf und New York, wo er - nebenbei - im Fach Internationales Recht promovierte.

Zur IAEO kam Baradei 1984, wo er unter anderem die Abteilung für Auswärtige Angelegenheiten leitete und dann als Stellvertreter des schwedischen Generaldirektors Hans Blix arbeitete. 1997 wurde er als erster Repräsentant eines Entwicklungslandes Blix-Nachfolger. Baradei führte sein Amt betont unparteiisch. Obwohl ihm Beobachter in Wien großes diplomatisches Geschick bescheinigen, scheute er sich auch nicht, deutliche Worte zu sprechen.

Besonders heikel war seine Rolle vor dem US-Krieg gegen den Irak 2003. Damals standen die IAEO-Waffeninspekteure unter massivem Druck Washingtons, „Beweise“ für Geheimdienst-Berichte zu finden, wonach Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besaß. Wenige Wochen vor Kriegsbeginn erklärte der Ägypter dann öffentlich, seine Behörde habe „keine Beweise gefunden“, wonach Saddam Hussein ein Atomwaffenprogramm besitze. Angesichts des Drucks der USA drohte der bedrängte Baradei sogar kurz mit seinem Rücktritt. Inzwischen wurde er für eine dritte Amtszeit bestätigt.

Dem IAEO-Chef werden in Wien Ambitionen nachgesagt, die über sein heutiges Amt hinaus gehen. Immer wieder heißt es, er strebe die Nachfolge von UN-Generalsekretär Kofi Annan an. Ob ihm der Friedensnobelpreis dabei helfen kann, bleibt abzuwarten.

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