Besserverdiener
Reichensteuer bringt Italien 800 Millionen Euro

Eine Reichensteuer, wie sie Deutschlands Besserverdienern ab 2007 blüht, ist in Italien schon erprobte Realität. Bereits im vergangenen Jahr hat die Regierung unter Premier Silvio Berlusconi zwar generell die Steuern gesenkt, gleichzeitig aber einen „Solidaritätsbeitrag“ für Wohlhabende eingeführt. Die Einnahmen für den Fiskus bleiben allerdings hinter den Erwartungen zurück – vor allem, weil die Italiener Steuerehrlichkeit vermissen lassen.

MAILAND. Italiens Regierung hatte den Spitzensteuersatz Anfang dieses Jahres von 45 auf 39 Prozent gesenkt. Der Satz gilt für Einkommen von mehr als 70 000 Euro. Wer aber mehr als 100 000 Euro verdient, zahlt vier Prozentpunkte extra als Beitrag für die Gemeinschaft, also de facto 43 Prozent. In Deutschland haben sich Union und SPD darauf verständigt, den Spitzensteuersatz von 42 Prozent für Einkommen ab 250 000 Euro (500 000 Euro für Verheiratete) ab Anfang 2007 um drei Punkte zu erhöhen.

Ursprünglich wollte Berlusconi ein revolutionär einfaches System mit nur zwei Steuersätzen einführen: 23 Prozent für alle Einkommen bis 100 000 Euro und 33 Prozent für alle, die darüber liegen. Doch die Koalitionspartner haben bei dem gewagten Projekt nicht mitgemacht. Die Pläne hätten vor einem Jahr beinahe zu einer Regierungskrise geführt.

Für den Solidaritätsbeitrag der Reichen hatten sich vor allem die Christdemokraten (UDC) im Regierungsbündnis eingesetzt. Sie wollten gegenüber ihren Wählern keine Geschenke an Besserverdienende mittragen. „Nachdem sie das ursprüngliche Projekt, die Steuern auf 33 Prozent zu senken, nicht durchsetzen konnte, hat die Regierung eine kreative Lösung gefunden“, erklärt Siegfried Mayr, italienischer Steuerexperte der Mailänder Steuerberatung Mayr Fort Frei.

Nach Angaben des Finanzministeriums bringt die Sonderabgabe dem italienischen Fiskus 800 Mill. Euro. „Der Solidaritätszuschlag ist nicht zweckgebunden und daher nichts anderes als eine höhere Steuer“, erklärt Carlo Garbarino, Steuerrechtsexperte an der renommierten Universität Bocconi. Nennenswerte Proteste von Seiten der Wirtschaft oder der Besserverdienenden habe es nicht gegeben: „Denn die Reichen zahlen in der Summe immer noch weniger Steuern als vorher“, so Garbarino. Außerdem hatte Berlusconi als eine seiner ersten Amtshandlungen die Erbschaft- und die Schenkungsteuer abgeschafft.

Dass Italiens Fiskus trotz der im Vergleich zu Deutschland geringen Grenze von 100 000 Euro nur 800 Mill. Euro kassiert, liegt vor allem an der mangelnden Ehrlichkeit bei der Steuererklärung. „Die Evasion (Massenflucht, die Redaktion) bleibt ein strukturelles Problem in Italien“, sagt Garbarino. Vor allem Selbstständige geben nur selten ihre tatsächlichen Einkünfte an.

So erklärten bei der letzten verfügbaren Erhebung aus dem Jahr 2000 nur 117 451 Steuerzahler oder 0,31 Prozent der Bevölkerung, mehr als 100 000 Euro zu verdienen. Mehr als 200 000 Euro sollen danach nur 30 345 Italiener verdienen und nur 1 081 mehr als eine Million Euro. Laut Ex-Finanzminister Domenico Siniscalco stehen diese Zahlen im krassen Gegensatz zur Zahl der Luxusautos und Yachten in Italien

.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%