Bestechungsvorwürfe
ANC-Chef Zuma vor Gericht

In Südafrika hat am Montag ein Prozess um Bestechungsvorwürfe gegen den designierten südafrikanischen Präsidentschaftskandidaten Jacob Zuma begonnen. Der Prozess könnte Zumas Wahl zum neuen südafrikanischen Präsidenten verhindern.

JOHANNISBURG. Begleitet von Protesten seiner Anhänger hat in Südafrika der Korruptionsprozess gegen den Chef der Regierungspartei ANC, Jacob Zuma, begonnen. Der 66-Jährige betrat das Gericht im südöstlichen Pietermaritzburg am Montagmorgen durch eine Hintertür, um nicht fotografiert und gefilmt zu werden. Der Prozess soll klären, ob Zuma in seiner Zeit als Vize-Präsident von dem südafrikanischen Unternehmen Thint, einer Tochter des französischen Rüstungskonzerns Thales, rund 68 000 Euro angenommen hat, um im Gegenzug die Untersuchung eines Waffengeschäfts zu verhindern. Der Prozess könnte Zumas Wahl zum neuen südafrikanischen Präsidenten verhindern.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten tausende ANC-Anhänger, darunter ANC-Generalsekretär Gwede Mantashe, sowie Gewerkschafter und Kommunisten gegen das Verfahren. Sie sangen, tanzten und sprachen Gebete für den Parteichef, den sie als Opfer eines Komplotts des derzeitigen Präsidenten Thabo Mbeki sehen. Zuma hatte Mbeki im Dezember vergangenen Jahres von der Parteispitze verdrängt. Um Anhänger des ANC-Chefs aus dem ganzen Land nach Pietermaritzburg zu bringen, waren extra Busse gemietet worden. Die ANC-Führung ließ ein weißes Zelt vor dem Gerichtsgebäude aufstellen, in dem führende Parteimitglieder gegen das Verfahren protestieren wollten.

Zuma selbst nahm lächelnd auf der Anklagebank Platz und grüßte seine Anhänger im Gerichtssaal. Zu Beginn der Verhandlung legte sein Anwalt erneut Beschwerde wegen Verfahrensfehlern ein. Die Rechte seines Klienten seien verletzt worden, sagte Kemp J. Kemp. Damit muss das Gericht zunächst über die Beschwerde entscheiden, so dass mit einer Vertagung des Prozesses gerechnet wurde. Die Verteidigung Zumas versucht um jeden Preis eine Verurteilung vor den Wahlen im April 2009 zu verhindern. "Wir hoffen, dass die Anklage fallengelassen wird", sagte ANC-Sprecher Jesse Duarte.

Der Prozess könnte über Zumas politische Zukunft entscheiden. Er soll den ANC im kommenden Jahr in den Präsidentschaftswahlkampf führen und gilt als wahrscheinlicher Präsidentschaftskandidat. Für den Fall einer Verurteilung kündigte er jedoch einen Rückzug aus der Politik an.

Neben Bestechung wirft die Anklage Zuma unter anderem Betrug und Geldwäsche vor. Insgesamt ist er in 16 Punkten angeklagt. Der Parteichef weist die Vorwürfe zurück. Zuma hatte bereits 2006 wegen Vergewaltigung vor Gericht gestanden, wurde aber freigesprochen. Dem Politiker war vorgeworfen worden, die HIV-positive Tochter eines Freundes missbraucht zu haben. 2005 entließ Mbeki Zuma als Vize-Staatschef wegen eines früheren Korruptionsskandals.

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