Bestrafung der Verantwortlichen gefordert
UN-Sicherheitsrat verurteilt Massaker an Tutsi in Burundi

Der UN-Sicherheitsrat hat das Massaker an mehr als 160 kongolesischen Tutsi-Flüchtlingen im Westen Burundis scharf verurteilt. Der Rat forderte die Regierungen Burundis und der Demokratischen Republik Kongo am Sonntag auf, die Verantwortlichen für den Überfall auf das Flüchtlingslager zur Rechenschaft zu ziehen.

HB NEW YORK. Der Sicherheitsrat und UN-Generalsekretär Kofi Annan forderten Behörden des ostafrikanischen Kleinstaates Burundi und dessen Nachbarlandes Kongo forderte der Sicherheitsrat auf, bei der Verfolgung der Täter zusammenarbeiten. Konkrete Strafmaßnahmen gegen die Hutu-Rebellengruppe FNL, die sich zu der Bluttat bekannt hatte, beschloss der Sicherheitsrat jedoch nicht.

Die FNL hatte erklärt, ihre Kämpfer hätten das Lager mit Flüchtlingen versehentlich angegriffen. Ihr eigentliches Ziel sei ein 500 Meter weiter gelegenes Militärlager gewesen. UN-Mitarbeiter in dem Flüchtlingslager Gatumbe unweit der burundischen Hauptstadt Bujumbura betonten aber, dass der Überfall einer gezielt vorbereiteten und organisierten Angriffsaktion glich.

Die FNL wird in der UN-Erklärung, die von Frankreichs initiiert und formuliert wurde, nicht namentlich genannt. Die Rede ist nur von „den Tätern und jenen, die für diese Verbrechen verantwortlich sind“. Vor möglichen weiteren Schritten wies der Sicherheitsrat zunächst die UN-Beauftragten für Burundi und Kongo an, so schnell wie möglich einen umfassenden Bericht vorzulegen. Über die Erklärung des Sicherheitsrates hinausgehend rief Annan die Regierungen Burundis und Kongos sowie Ruandas und Ugandas auf, gemeinsam gegen grenzüberschreitende Rebellengruppen in ihrer Region vorzugehen.

Die Europäische Union, die das Massaker ebenfalls verurteilte, forderte die FNL namentlich auf, sich an Friedensverhandlungen anderer Rebellengruppen mit der Regierung zu beteiligen. Bundesaußenminister Joschka Fischer hatte am Sonntag in Berlin gefordert, die Verantwortlichen für die „abscheuliche Bluttat“ unnachgiebig zur Rechenschaft zu ziehen.

Nach Angaben von Augenzeugen waren am Freitagabend rund 100 Bewaffnete in das Flüchtlingslager an der Grenze zu Kongo eingedrungen und hatten ihre Opfer erschossen oder mit Bajonetten und Knüppeln niedergemetzelt. Mehrere Hütten seien niedergebrannt worden. Verkohlte Leichen von Frauen und Kinder seien am Morgen nach dem Überfall im Lager zu sehen gewesen.

Die zum Tutsi-Volk gehörenden Insassen des Gatumbe-Lagers waren im Juni nach Kämpfen im Osten Kongos nach Burundi geflüchtet. Bei immer wieder aufflammenden Kämpfen zwischen Hutu und Tutsi sind in den vergangenen zehn Jahren allein in Burundi rund 300 000 Menschen ums Leben gekommen.

Insgesamt haben in Burundi bislang etwa 20 000 kongolesische Tutsi Zuflucht in UN-Lagern gefunden. Der burundische Präsident Domitien Ndayizeye bat nach dem Massaker um internationale Hilfe, um die FNL unter Kontrolle zu bringen. Sie ist die einzige Rebellengruppe in Burundi, die weiter die Regierung bekämpft und nicht an von Südafrika geförderten Friedensgesprächen teilnimmt. Der Weltsicherheitsrat hatte im Mai das Mandat für eine UN-Friedenstruppe für Burundi erteilt, die noch im Aufbau ist und später insgesamt 5 650 Soldaten haben soll.

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