Besuch bei arabischen Investoren
Geithner buhlt um das Vertrauen der Scheichs

Amerikas Finanzminister Timothy Geithner versucht, das Vertrauen arabischer Investoren in den zuletzt schwächelnden Dollar wiederherzustellen. Geithners nutzte dazu einen zweitägigen Blitztrip nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate, den beiden größten US-Gläubigern im Nahen Osten.

DUBAI. "Die Politik der USA ist darauf ausgerichtet, die Bedingungen für einen starken Dollar sowie für mehr Stabilität im internationalen Finanzsystem zu schaffen", sagte Geithner bei einer Rede vor der Industrie- und Handelskammer in der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda.

Geithners Auftritt war Teil eines zweitägigen Blitztrips nach Saudi-Arabien und in die Vereinigten Arabischen Emirate, den beiden größten US-Gläubigern im Nahen Osten. Mit Blick auf das knapp 800 Milliarden Dollar große Konjunkturprogramm der Amerikaner sagte Geithner: "Wir sind darauf verpflichtet, unsere Haushaltsdefizite nach Bewältigung der Finanzkrise herunterzufahren und unsere außergewöhnlichen Interventionen abzubauen."

Bei den im Anschluss stattfindenden Gesprächen mit Saudi-Arabiens König Abdullah und Finanzminister Ibrahim Al Assaf ging es neben Finanzfragen unter anderem um Maßnahmen der Antiterrorfinanzierung, die mögliche Verschärfung der Sanktionen gegen Iran sowie die Stabilisierung im Irak und in Afghanistan.

Der oberste US-Kassenwart hatte einen klaren Auftrag aus Washington im Gepäck: Er sollte die Sorgen der saudischen Entscheidungsträger über die Talfahrt des "Greenbacks" zerstreuen. Das Königreich Saudi-Arabien ist der größte Erdölförderer weltweit; ein Großteil der Währungsreserven floss in US-Staatsanleihen, etliche Investoren haben durch den Preissturz bei Aktien und Immobilien in Amerika viel Geld verloren. "Die Angst vor einem weiteren Wertverlust des Dollars ist groß, vor allem bei Privatanlegern", sagte John Sfakianakis, Ökonom aus Riad. "Die Leute warten auf ein Signal des Vertrauens."

Insbesondere der dramatische Anstieg des US-Haushaltsdefizits hat die Skepsis in den Dollar erhöht. "Amerika ist dazu gezwungen, in den kommenden Monaten zusätzliche Schulden zu machen", sagt Eric Swats vom Finanz-Dienstleistungsunternehmen Rasmala Investments in Dubai. "Washington muss seine Gläubiger überzeugen, dass es mittelfristig zu einer verantwortlichen Haushaltspolitik zurückfindet."

Die Saudis verfolgen die Lage in Amerika sehr genau, weil ihre Wirtschaft in hohem Maße von der US-Konjunktur abhängt. 70 Prozent der Importe werden in Dollar bezahlt. Auch die Gelder aus dem Erdölexport, der wichtigsten Einnahmequelle, rechnen sich auf Dollar-Basis. Währungsverluste sind daher gleichbedeutend mit weniger Mittel in der Staatskasse.

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