Besuch bei Castro
Papst gönnt den Kubanern einen weiteren Feiertag

Der Papst trifft in Havanna den kubanischen Staatschef Raúl Castro. Benedikt XVI. fordert mehr Möglichkeiten für die Kirche in Kuba. Regierungsgegner werden nach Oppositionsangaben inhaftiert.
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HavannaIm Rahmen seiner Kuba-Reise ist Papst Benedikt XVI. mit Staatschef Raúl Castro zusammengekommen. Während der 40-minütigen Unterredung am Dienstag im Palast der Revolution in Havanna habe der Papst vorgeschlagen, dass der Karfreitag in Kuba zum Feiertag erklärt werde, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Zudem habe Benedikt XVI. seinen Wunsch geäußert, dass die katholische Kirche eine größere Rolle im Land spielen dürfe. „Der Papst hat vorgeschlagen, dass der Karfreitag zum Feiertag erklärt wird“, sagte der Vatikan-Sprecher bei einer Pressekonferenz.

Er erinnerte daran, dass Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Kuba 1998 einen entsprechenden Vorschlag für Weihnachten gemacht und damit beim damaligen Staatschef Fidel Castro Erfolg gehabt habe. Welche Antwort Raúl Castro dem Papst gab, sagte Lombardi nicht. Die kubanische Führung habe nun Zeit, über den Vorschlag nachzudenken. Während des Gesprächs äußerte der Papst laut seinem Sprecher zudem die Erwartung, dass die kubanische Kirche eine größere Rolle in moralischen und sozialen Fragen spielen dürfe.

Castro hatte das 84-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche am späten Dienstagnachmittag (Ortszeit) mit militärischen Ehren vor dem Palast der Revolution empfangen. Beim anschließenden Gespräch ging es vor allem um das Verhältnis zwischen dem Staat und der Kirche in dem kommunistischen Land. Nach 40 Minuten traten Castro und sein Gast vor den Palast und winkten den Fotografen und Kameraleuten auf dem Platz der Revolution zu.

Parallel dazu trafen sich im Palast der Revolution ranghohe Vertreter des Vatikans mit Vertretern der kubanischen Führung. Sie hätten über die „Rolle der Kirche in der Gesellschaft“ und die „Entwicklung der kirchlichen Aktivitäten“ gesprochen sowie über die „zahlreichen Botschaften humanitärer Art, die der Vatikan in Bezug auf Menschen in Schwierigkeiten erhalten“ habe, sagte Lombardi. Aufgrund des Zeitmangels hätten die Gesprächsteilnehmer nicht ins Detail gehen können.

Mit Blick auf die Kritik der kubanischen Opposition, dass Benedikt XVI. bei in Kuba weder Regierungsgegner treffen und noch explizit Reformen fordern wollte, sagte Lombardi, der Papst sei «als Pastor gekommen, der den Glauben der Menschen wiederbelebt und stärkt“. „Er ist nicht der Herr über die Gesetze und Lösungen in einem Land, er kann nicht auf direkte Weise einwirken.“ Vor seiner Abreise nach Havanna hatte der Papst am Dienstag eine Wallfahrtskirche vor den Toren Santiagos besucht, in der eine vor 400 Jahren entdeckte Holzfigur der Schutzpatronin Kubas verehrt wird. Vor der Statue der Barmherzigen Jungfrau von Cobre betete Benedikt XVI. in einer möglichen Anspielung auf politische Gefangene für „die Bedürfnisse derjenigen, die leiden, die der Freiheit beraubt sind und die von ihren Liebsten getrennt sind“.

Kurz nach dem Papst-Besuch bei Castro erreichte eine Flotille mit Exil-Kubanern aus Florida die internationalen Gewässer nahe Kuba, wie die Organisatoren mitteilten. Die Aktivisten schossen dort nach eigenen Angaben Feuerwerke ab, die sie „Lichter für Demokratie“ nannten. Der Papst hatte am Montag eine Messe vor 200.000 Menschen in Santiago de Cuba abgehalten. Für Mittwoch, den letzten Tag der Reise, stand ein großer Gottesdienst auf dem Platz der Revolution in Havanna auf dem Programm. Die kubanischen Sicherheitskräfte nahmen nach Oppositionsangaben in den vergangenen Tagen mehr als 150 Regierungsgegner fest.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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