Besuch der Bundeskanzlerin
Unter den Sternen Pekings

Die deutsch-chinesische Autofabrik im Süden Pekings hat sich herausgeputzt. Nicht nur, weil der „25 000. Mercedes-Benz-PKW aus lokaler Fertigung“ vom Band rollt, wie ein großes Banner über der Jubiläums-Limousine der C-Klasse verkündet. Vor allem auch, weil dazu sogar die deutsche Kanzlerin gekommen ist. Diesen Auftakt will man nicht verpatzen. Auch, weil es bei Merkels weiteren Terminen nicht so angenehm wird.

PEKING. Der Werksbesuch unter dem polierten Stern ist die erste Station ihrer dreitägigen China-Reise. Ein junger Mann im Blaumann poliert sorgfältig den silbernen Stern am Kühlergrill. Und Vorarbeiter Tian Jinhua verteilt an seine 88 Kollegen in der blitzblanken Fabrikhalle schnell noch Fähnchen. Einmal China-Rot für Mercedes-Werker Zhao Kaitao, einmal Schwarz-Rot-Gold für Li Xiang. Alles soll heute glänzen. Alle sollen heute strahlen.

Den Auftakt von Merkels Reise will man nicht verpatzen. Und so wird die gemeinsame Produktion des Gemeinschaftsunternehmens Beijing Benz-Daimler Chrysler Automotive Co Ltd (BBDC) als ein wichtiger „Meilenstein“ und als „gutes Beispiel“ gelobt.

Der mit der Kanzlerin in der Delegation eingeflogene VW-Konzernchef Martin Winterkorn muss dann doch lächeln. 25 000 Fahrzeuge in einer zwei Jahre alten Fabrik sind nicht gerade eine bemerkenswerte Stückzahl, schon gar nicht im 1,3-Milliarden-Land. Doch die deutsch-chinesischen Erfolge sind eben kleiner geworden.

Vielleicht schaut Kanzlerin Angela Merkel deswegen oft abwesend und nachdenklich in die Runde. Oder sie denkt schon an die nächsten Termine. Denn sie weiß, dass ihr ein eher schwieriger Peking-Besuch bevorsteht. Zumindest ohne Schulterklopfen und ohne Kracherverträge.

Merkel muss in Peking eher Schadensbegrenzung und Krisenmanagement betreiben. Denn ihr Treffen mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter, dem Dalai Lama, sorgt in China noch immer für Verstimmungen. Professor Liu Liqun von der Deutschen Abteilung der Fremdsprachen-Universität Peking etwa sieht das Image der Kanzlerin bei den Chinesen noch immer schwer ramponiert. Nur eine „freundliche Geste“ könne dies wieder aufpolieren, sagt er. „Ich hoffe, dass der Besuch die Wende bringt.“

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