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Besuch des Dalai Lama: Neuer Krach zwischen China und Taiwan

Eigentlich sollte es ein Freudentag sein. Nach 60 Jahren Trennung haben die Inselrepublik Taiwan und das chinesische Festland die Linienflüge auf 270 Verbindungen wöchentlich erhöht. Das sollte auch gefeiert werden. Doch die Partys wurden abgesagt. Grund: Hoher Besuch, der den Chinesen nicht passt.

von Andreas Hoffbauer
Der Dalai Lama wird nach einem Gebet für die Opfer des Taifuns Morakot von taiwanesischen Anhängern umlagert. Quelle: Reuters
Der Dalai Lama wird nach einem Gebet für die Opfer des Taifuns Morakot von taiwanesischen Anhängern umlagert. Quelle: Reuters

PEKING. Am Tag der Annäherung zwischen Taiwan und China begann der Dalai Lama seinen Besuch in Taiwan. Chinas Medien kritisierten den offiziell als "huminatären" Besuch bezeichneten und für vier Tage angesetzten Trip des Dalai Lama heftig. Der Schulterschluss eines tibetischen "Separatisten" und "spalterischen Kräften" in Taiwan werde Peking nicht hinnehmen, hieß es. Der Besuch werde "unweigerlich einen negativen Einfluss" auf die zuletzt deutlich verbesserten Beziehungen haben, sagte ein chinesischer Regierungssprecher. Er machte jedoch keine genaueren Angaben über mögliche Sanktionen.

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Das religiöse Oberhaupt der Tibeter war erst vergangene Woche von der oppositionellen Fortschrittspartei (DPP) nach Taiwan eingeladen worden, um für die Toten und Überlebenden des Taifuns "Morakot" zu beten. Bei dem schweren Unwetter im Süden der Insel waren vor drei Wochen vermutlich bis zu 700 Toten Menschen ums Leben gekommen und einige Dörfer verschüttet worden. Es ist der dritte Taiwan-Besuch des Dalai Lama nach 1997 und 2001.

Die DPP, die bis zur Machtübernahme von Ma Ying-jeou die Regierung in Taipeh stellte, tritt für eine Unabhängigkeit Taiwans ein und wird darum von Peking abgelehnt. Seit Ende des Bürgerkriegs 1949 sind beide Länder getrennt. Die kommunistische Führung in Peking wirft auch dem Dalai Lama Separatismus vor, da er nach die Unabhängigkeit Tibets anstrebe.

Um den politischen Schaden zu begrenzen, hatte Taiwans Regierung kurz vor der Ankunft des Dalai Lama am Sonntagabend einen hochrangigen Abgesandten nach Peking geschickt und klar gestellt, dass sich kein Regierungsmitglied mit dem Gast treffen werde. Der China freundlich gesinnte Präsident Ma hat dennoch erstmals in seiner Amtszeit den Ärger Pekings auf sich gezogen. Grund ist, dass der Politiker innenpolitisch massiv unter Druck steht, nachdem die zögerlichen und mangelnden Rettungsarbeiten nach der Taifun-Katastrophe seine Regierung schwer in die Kritik gebracht hatten. Ma gab darum nach und stimmte aus "humanitären und religiösen Gründen" der Visite des Buddhistenführers zu. Noch 2008 hatte sich Ma gegen einen Besuch des Dalai Lama ausgesprochen.

Der Dalai Lama, der seine Auftritte meist mit politischen Forderungen verknüpft, gab sich nach seiner Ankunft in Taiwan wenig politisch. Er bekräftigte, sein Besuch sei strikt religiös. Der Friedensnobelpreisträger betonte zudem, er trete nicht für die Unabhängigkeit Taiwans ein. Allerdings erklärte der 79-Jährige auch, dass er die Demokratie mit ganzem Herzen unterstütze und dass sich Taiwan diese Staatsform erhalten müsse.

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