Besuch im Weißen Haus
Erdogan spricht mit Obama über Atomstreit

Die Rolle der Türkei im Atomstreit mit dem Iran und ein stärkeres militärisches Engagement Ankaras in Afghanistan gehören zu den Themen, die US-Präsident Barack Obama mit dem türkischen Premier Tayyip Erdogan heute bei dessen Besuch im Weißen Haus besprechen will. Warum Obama den Verbündeten in der Türkei trotz aller Irritationen mehr denn je braucht.
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ATHEN. Erdogans Visite unterstreicht die wachsende geostrategische Bedeutung der Türkei. Bereits im April hatte Obama bei einem Besuch in Ankara die „außerordentlich große Bedeutung“ der Türkei als Bündnispartner der USA hervorgehoben.

Dass Obama Erdogan nun erneut trifft, werten Beobachter als eine Reverenz an die zunehmend aktive Rolle der Türkei im Nahen Osten und Mittelasien, aber auch als den Versuch, das Land an den Westen zu binden. Das ist mehr denn je ein Thema, seit der islamisch-konservative Erdogan immer engere Kontakte nach Teheran sowie Damaskus knüpft.

Der „gute Freund“ Ahmadineschad

Besonders ambivalent ist aus der Sicht Washingtons die Rolle des Nato-Partners Türkei im Atomstreit. Einerseits bietet sich Ankara dem Westen als Mittler zu den Mullahs an. Andererseits schlägt sich Erdogan in dem Konflikt immer mehr auf die Seite des Iran. Maßgebend dafür sind, neben einer möglichen religiösen Affinität, vor allem handfeste wirtschaftliche Interessen: Der Iran ist zweitwichtigster Gas-Lieferant der Türkei.

Erst vor sechs Wochen unterzeichnete Erdogan bei einem Besuch in Teheran mit seinem, wie er sich ausdrückte, „guten Freund“ Mahmud Ahmadinedschad mehrere Abkommen über gemeinsame Energieprojekte.

Der Westen, erklärte Erdogan, behandele den Iran „unfair“, die Sanktionen bezeichnete er als „arrogant“. Erdogan forderte, jene Länder, die vom Iran den Verzicht auf Atomwaffen verlangten, sollten erst ihre eigenen Nuklear-Arsenale verschrotten.

Schulterschluss mit Syrien

Während das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel, die seit Mitte der 90er-Jahre enge militärische Verbündete waren, unter Erdogan immer frostiger wird, sucht der türkische Premier den Schulterschluss mit dem Nachbarn Syrien und hofiert den sudanesischen Gewaltherrscher Omar al-Baschir, der sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten soll. Erdogan nahm al-Baschir mit dem Argument in Schutz, ein Muslim könne per se „keinen Völkermord begehen“.

Trotz aller Irritationen, die Erdogan damit in Washington auslöste: Obama braucht den Verbündeten Türkei mehr denn je. Nicht nur für den beginnenden Abzug der US-Truppen aus dem Irak ist das Land logistisch wichtig.

Mit seinem Wunsch nach mehr türkischen Soldaten für den Einsatz in Afghanistan wird US-Präsident Obama allerdings wohl bei Erdogan abblitzen. Das türkische Kontingent von derzeit 1 750 Mann soll nicht erhöht werden, heißt es in Regierungskreisen in Ankara.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

Kommentare zu " Besuch im Weißen Haus: Erdogan spricht mit Obama über Atomstreit"

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  • Zitat: "der türkische Premier....hofiert den sudanesischen Gewaltherrscher Omar al-baschir, der sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten soll".
    Das stimmt so nicht, Omar al-baschir ist nicht in die Türkei eingereist, weil die Türkei sowieso bedenken bezüglich seiner Person hatten. Auch ist Sudan Mitglied des OiC und da darf nun mal die Türkei einfach nicht alleine entscheiden wen sie einlädt und wen nicht.
    Also Herr Höhler schön bei den Fakten bleiben...

  • Zitat: "der türkische Premier....hofiert den sudanesischen Gewaltherrscher Omar al-baschir, der sich wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem internationalen Gerichtshof in Den Haag verantworten soll".
    Das stimmt so nicht, Omar al-baschir ist nicht in die Türkei eingereist, weil die Türkei sowieso bedenken bezüglich seiner Person hatten. Auch ist Sudan Mitglied des OiC und da darf nun mal die Türkei einfach nicht alleine entscheiden wen sie einlädt und wen nicht.
    Also Herr Höhler schön bei den Fakten bleiben...

  • Ob Herr Köhler oder andere so genannte Karl mays Wilder Kurdistan Kommentatoren Sie können die wahrheit weder schreiben noch preisgeben. Sie müßen wie ihrer Lehrer phantasieren. Vergessen Sie nicht man schreibt über die Türken und der Türkei Außerdem hatten die Türken ja 1683 Wien belagert.Das darf man ja auch nicht vergessen.Was danach in Europa passiert ist das ist ja scheiß egal ist nicht so wichtig. Nur gegen die Türken schreiben So kann man die Leser für dumm verkaufen.

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