Besuch in Frankreich
Merkel geht vorsichtig auf Distanz zu Paris

Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel hat sich in Paris zur deutsch-französischen Achse bekannt, zugleich jedoch die Beachtung der Interessen kleinerer EU-Staaten angemahnt. Außerdem krititisierte sie die Linie von Kanzler Schröder in der Russland-Politik.

HB PARIS. "Ich glaube, dass die deutsch-französische Partnerschaft und Freundschaft Motor sein soll, aber natürlich darauf geachtet werden muss, dass alle mitgenommen werden. Das bezieht sich insbesondere auch auf die kleineren Länder", sagte Merkel nach einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac am Dienstag. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass über die Köpfe anderer hinweg entschieden werde.

Zu einem Zeitungsbeitrag des außenpolitischen Sprechers der Unionsfraktion, Friedbert Pflüger, der heftige Kritik am deutschen Schulterschluss mit Russland geübt hatte, sagte Merkel: "Gute strategische Beziehungen zu Russland dürfen nicht zu Lasten von Nachbarländern gehen, zum Beispiel Polen."

Pflüger hatte im französischen Blatt "Le Figaro" kritisiert, Kurs von Kanzler habe in der Anti-Irak-Kriegsallianz mit Frankreich dazu geführt, dass die Staaten Ost- und Mitteleuropas praktisch an die Seite der USA getrieben worden seien und Europa in der Folge gespalten worden sei. Daher könne "die von Schröder geschmiedete Achse Paris-Berlin-Moskau" so unter einer unionsgeführten Regierung nicht weitergeführt werden.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte Anfang Juli mit einem Dreier-Treffen in der russischen Exklave Kaliningrad Irritationen bei den Nachbarstaaten ausgelöst: Er lud zwar Schröder und Chirac aus Anlass des 750-jährigen Stadtjubiläums des früheren Königsberg ein, nicht aber die Präsidenten der Nachbarländer Polen und Litauen.

Am Nachmittag traf Merkel auch Innenminister Nicolas Sarkozy, der als Rivale Chiracs gilt und aus seinen Ambitionen für eine Kandidatur um die Präsidentschaft im Jahr 2007 keinen Hehl macht.

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