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24.07.2008 
Barack Obama

Besuch vom Star-Light-Express

von Andreas Rinke

Sogar gestandene Politiker besorgen sich sein Autogramm: Wie Barack Obama Berlin als Kulisse auf seinem Weg ins Weiße Haus nutzt und die Stadt in höchste Aufregung versetzt. Seht her, liebe Berliner: So macht man Wahlkampf.

Barack Obama bei seiner Berliner Rede (Foto: dpa)Lupe

Barack Obama bei seiner Berliner Rede (Foto: dpa)

BERLIN. Nein, Barack Obama mag nicht reden, noch nicht. „See you guys“, winkt er den Journalisten im Ehrenhof des Auswärtigen Amtes nur zu, nachdem er aus dem weißen Chevrolet Suburban, einer dieser typischen amerikanischen Benzinschleudern, gesprungen ist. Dann grinst der Senator sein charmantestes Kandidatengrinsen und wendet sich Frank-Walter Steinmeier zu, der extra den roten Teppich heruntergekommen ist, um den Gast mit breitestem Ministerlächeln zu begrüßen. Die Hände gegenseitig auf die Oberarme legen und einige Nettigkeiten nuscheln: Das reicht völlig, um das Bild zu produzieren, das beide brauchen – der Kandidat für das US-Präsidentenamt und der mutmaßliche SPD-Kanzlerkandidat. Ein Bild von Harmonie und Verständnis.

Dann eilt der neue Politikstar Obama weiter. Anders als Steinmeier ist er schließlich auf Welttour. Berlin ist nur eine Station bei seiner Übung, endlich auch als international erfahrener Politiker wahrgenommen zu werden – auch wenn er das noch gar nicht ist. Und bei dieser Übung ist das 45-Minuten-Gespräch mit Steinmeier nur eine Episode ebenso wie auch das einstündige Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Morgen. Jeder Gastgeber darf sich nur kurz in Obamas Glanz sonnen. Dann muss der Star-Light-Express weiter.

Immerhin hat es die Kanzlerin leichter. Denn Obama muss sich schon in ihr Büro bemühen, bevor er begrüßt wird. Schließlich will Merkel Neutralität im US-Wahlkampf wahren – und Rücksicht auf ihren guten Bekannten George W. Bush nehmen. Denn der ist Republikaner, Obama Demokrat. Aber ein Entgegengehen hätte auch nichts gebracht, ist doch die größte Freundlichkeit politisch sinnlos, wenn keine Kameras da sind, um sie festzuhalten. Obama jedenfalls bleibt solange in seinem Wagen vor dem Kanzleramt sitzen, bis sich der mitreisende Fernsehtross aus den USA in der Sky-Lobby postiert hat. Erst dann steigt er aus und fährt mit dem Fahrstuhl in die siebte Etage.

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