Beteiligung
Iran greift offenbar nach Nabucco-Pipeline

Das Projekt Nabucco ist eines der ehrgeizigsten Unterfangen in der Geschichte der Energieversorgung. Die Gas-Pipeline soll Europa unabhängiger von russischen Exporten machen. Daran möchte Medienberichten zufolge auch der Iran beteiligt werden. Die Türkei unterstützt entsprechende Vorhaben Teherans. Besonders Washington bereitet das Sorgenfalten.
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HB TEHERAN. Der Iran lotet ungeachtet des Atomstreits Möglichkeiten für Gaslieferungen über die geplante Nabucco-Pipeline nach Europa aus. Mit mehreren europäischen Energieunternehmen gebe es inoffizielle Gespräche, sagte der iranische Gasmanager Resa Kaseisade am Samstag der iranischen Nachrichtenagentur Mehr. Angaben zu den Firmen machte er nicht. Der Iran verfügt nach Russland über die zweitgrößten bekannten Gasreserven der Welt.

Wegen Widerstand der USA und Handelssanktionen ist der Iran von dem Nabucco-Projekt bisher ausgeschlossen. Für eine Beteiligung des Irans macht sich vor allem das Nachbarland Türkei stark, das bereits eine verstärkte Zusammenarbeit angekündigt hat.

Für die Pipeline, die von 2014 an Erdgas aus dem Kaspischen Raum durch die Türkei nach Europa transportieren soll, sind Kosten von 7,9 Mrd. Euro veranschlagt. Die Leitung soll Europa unabhängiger von Importen aus Russland machen. An dem Projekt ist unter anderem der deutsche Energiekonzern RWE beteiligt.

Über die 3300 Kilometer lange Pipeline soll unter Umgehung Russlands Erdgas etwa aus Aserbaidschan, Kasachstan oder Turkmenistan quer durch die Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn zunächst bis nach Österreich gebracht werden. Ein Konsortium von Unternehmen aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Türkei plant die von der EU unterstützte Pipeline.

Russlands Gasriese Gazprom plant zusammen mit der italienischen Eni eine eigene Pipeline, die durch das Schwarze Meer führt (South Stream). Russland kritisiert das Nabucco-Projekt seit Jahren und bemüht sich selber um Vereinbarungen mit Förderländern, um das Gas über South Stream liefern zu lassen.

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  • Die zweitgrößten Gasreserven der Welt? Das erklärt schon mal zu einem großen Teil das demokratische Engagement des Westens und die Sorge umd die Menschenrechte im iran. Die Tatsache, dass die Türkei unterm Knüttel der USA steht, lässt jedoch eher vermuten, dass hier auf verdeckte Weise der Wille der USA umgesetzt wird. Russland scheint als höhere Gefahr eingestuft zu werden als der iran.

  • Die Kommentare von Herrn Fischer sind ärgerlich und werden trotz ihrer gebetsmühlenartigen Wiederholung fachlich nicht richtiger.

    Russland ist de facto einer unserer zuverlässigsten Handelspartner seit Jahrzehnten und eine aktive beteiligung Europas bei der Realisierung von Southstream wäre vielmehr ein Signal unsererseits hinsichtlich Vertrauen und Zusammenarbeit. Auch eine beschleunigte Realisierung von Northstream - also der Ostseepipeline - wäre ein derartiges Signal.

    Eine investition in ein überflüssiges Konkurrenzsystem wie Nabucco versenkt hingegen Milliarden von Euros in eine Pipeline, von der heute niemand sagen kann, wie sie gefüllt werden kann ohne die Abhängigkeit von Systemen wie dem iran oder Turkmenistan zu erhöhen. - Sind das etwa berechenbarere, transparentere oder beeinflussbarere Partner als Russland? Zudem werden Transportkapazitäten in einem Masse geschaffen, die zu Unterauslastung anderer Transportsysteme führen werden und somit zudem künftig eher preistreibend wirken dürften.

    Auch das Energieeffizienzargument und die Mahnung Fischers fehlender russischer Aktivitäten in diesem Feld zielen ins Leere. Ein bespiel: Die Russisch-Deutsche Energieagentur RUDEA wurde gerade während der regelmäßigen Deutsch-Russischen Konsultationen in München im Juli gegründet und Firmen wie Siemens oder bASF arbeiten aktiv mit russischen Partnern an gemeinsamen Maßnahmen. Desweiteren: beim Gastransport ist gerade Northstream die energieeffizienteste Lösung, da aufgrund höherer Eingangsdrücke eine wiederholte Zwischenkompression entfällt.

    Die Aussagen von Herrn Fischer belasten folglich völlig unnötigerweise die deutsch-russischen Handelsbeziehungen aufgrund tendentiöser Vertretung von Partikularinteressen.

  • Daß Washington nicht begeistert ist, daß sich der iran an Nabuco beteiligen will, ist klar. Droht doch einmal mehr, daß ein ölreicher Exporteur nicht in Dollar abrechnen will. beim irak hat Herr bush einen ungerechtfertigten Krieg vom Zaun gebrochen. Man wird sehen, ob sich ein herr Obama ebenfalls dazu missbrauchen lässt.

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