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Betrug: US-Immobilien: Die Zeit der Aasgeier

Ein Heer von Betrügern lockt die von Zwangsversteigerungen bedrohten Hausbesitzer in den USA in den Bankrott. Ausgerechnet ein 75 Milliarden Dollar schweres Hilfsprogramm der Regierung hilft ihnen dabei. Die Betrüger gehen äußerst geschickt vor und machen Profit auf Kosten derer, die sowieso schon fast alles verloren haben.

Die amerikanischen Behörden zählen 2100 Betrugsfälle und täglich werden es mehr. Quelle: dpa
Die amerikanischen Behörden zählen 2100 Betrugsfälle und täglich werden es mehr. Quelle: dpa

SAN FRANCISCO. Ihr Haus leuchtet unschuldsweiß noch im dichten Küstennebel, der sich über die Hügel von Oakland gelegt hat. Seit vier Jahren wohnen John und Frenzy mit ihren beiden Jungs in diesem Haus, Skyline Boulevard, ihrer Existenz. 20 Jahre Arbeitsleben stecken darin. Sie hatten lange gewartet, bevor sie sich ihren Traum erfüllt haben.

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Es ist ein Alptraum daraus geworden. John hat im vergangenen November seinen Job als Baustellenleiter verloren. Sie sind hoffnungslos verschuldet, das Haus wird wohl demnächst zwangsversteigert. Vielleicht hätten sie eine Chance gehabt, wären sie nicht an diese Betrüger geraten.

Sie hatten versucht, "die Bank umzustimmen, unsere Zinsen zu senken und dafür die Rückzahlungen zu strecken", erzählt John, ein drahtiger Mittfünfziger. Vergebens. Sie hatten auf das neue Programm der US-Regierung gehofft, denn die unterstützt nun in Not geratene Hausbesitzer mit 75 Milliarden Dollar. Der sogenannte "Hypotheken-Änderungs-Plan" sieht vor, dass die Regierung einen Teil der Hypotheken übernimmt, um den Hausbesitzern Zeit zu erkaufen, in der sie es vielleicht doch noch irgendwie schaffen, ihre Kredite zurückzuzahlen. Hunderttausende überrennen seither die öffentlichen Hilfsstellen. John und Frenzy bekamen keinen Beratungstermin. Wochen, vielleicht Monate warten? Kam nicht infrage. Irgendwann sie sind auf diese Anzeige gestoßen, die letzte Hilfe versprach: Rechtsbeistand und die Garantie, die Hypothek erträglicher zu machen.

Die "letzte Ausfahrt vor der Hölle", sagt John nur noch. Der Name der Firma: "New Hope Modification". Er hätte ebenso gut an "Last Chance Modification", "Hope Now Alliance", "New Hope Property", "Hope Now Financial Services" oder eine der neuen Firmen geraten können, die nun zu Tausenden wie aus dem Nichts auftauchen und die schon im Namen ihr verlockendes Versprechen führen: den wahr gewordenen amerikanischen Traum zu retten, das Eigenheim. Inzwischen weiß John, dass diese Firmen mit dem Versprechen nur ihr eigentliches Anliegen verschleiern: den Profit auf Kosten derer, die schon fast alles verloren haben.

"Wir bieten den bestmöglichen Kundenservice, damit Sie und Ihre Familie weiter in ihrem Heim bleiben können", stand in der Anzeige. John rief an, die Firma schickte jemanden. "Die haben uns versprochen, uns Woche für Woche auf dem Stand der Dinge zu halten, einen Anwalt einzuschalten und notfalls einen Anwalt mit der Sache zu betrauen", sagt John. Drei Wochen passierte nichts, Johns Anrufe blieben unbeantwortet, obwohl er bereits zwei Raten gezahlt hatte. Allmählich dämmerte ihm, dass er die investierten 3 000 Dollar, die die Firma ihnen als Vorleistung abverlangt hatte, nicht wiedersehen würde.

Jetzt droht ihm und seiner Frau die totale Pleite. Wenn sie Glück haben, kommen sie eine Weile bei Verwandten unter. Aber was dann? Eine gammelige Mietwohnung? Und danach? Sie wären nicht die Ersten, die in kurzer Zeit obdachlos würden.

Ihre Geschichte ist kein Einzelfall. "Es ist ein ganzer neuer, lukrativer Industriezweig entstanden. Jeden Tag hören wir von neuen Fällen", sagt Jeff Davi, der Chef des kalifornischen Wohnungsbauministeriums. "Und das ist nur die Spitze des Eisberges, die Fälle, von denen wir wissen."

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