Bevölkerung stagniert bei 20 Millionen
Mexiko-Stadt verliert Anziehungskraft

Die Apokalypse ist ausgeblieben – vorerst. Demographen und Soziologen irrten, als sie Mexiko-Stadt vor zwanzig Jahren dem Untergang weihten. Das industrielle Herz der größten Stadt Lateinamerikas schlägt nun nicht mehr in der Hauptstadt.

MEXIKO-STADT. Die Apokalypse ist ausgeblieben – vorerst. Demographen und Soziologen irrten, als sie Mexiko-Stadt vor zwanzig Jahren dem Untergang weihten. Die größte Stadt Lateinamerikas werde an ihrem ungezügelten Bevölkerungswachstum ersticken, sagten die Forscher damals voraus. 25, gar 30 Millionen Menschen hätten den Prognosen zufolge schon zur Jahrtausendwende um die knappen Ressourcen in der Megalopolis kämpfen sollen.

Doch seit gut zehn Jahren wachsen die Hauptstadt und ihr Umland kaum noch, die Bevölkerung stagniert bei 19,43 Millionen Einwohnern. „Mexiko-Stadt schluckt keine Menschen mehr, sondern spuckt sie aus“, sagt Armando Correa vom Nationalen Bevölkerungsrat. Der Moloch hat seine Anziehungskraft verloren. Jahrzehntelang strömten täglich bis zu 3 000 Menschen auf der Suche nach Arbeit in die Metropole. Seit aber die personalintensiven Industrien dank einer gezielten Umweltpolitik aus dem Tal von Mexiko verbannt wurden, schlägt das industrielle Herz des Landes nicht mehr in der Hauptstadt. Zudem entstanden Mitte der 90er-Jahre, als Mexiko in der Nordamerikanischen Freihandelszone Nafta enger mit den USA und Kanada zusammenrückte, neue wirtschaftliche Zentren an der Grenze zu den USA. Unzählige Zulieferer- und Fertigungsbetriebe in Städten wie Monterrey und Tijuana schufen Hunderttausende Arbeitsplätze.

„In Mexiko-Stadt werden höchstens noch 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet“, sagt Giselher Foeth, Vize-Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Handelskammer. Heute ist die Kapitale vor allem Dienstleistungszentrum und Sitz multinationaler Unternehmen. So hat die Entstehung wirtschaftlicher Alternativen die Megalopolis bisher vor dem Zusammenbruch bewahrt. Zudem suchen weiterhin jährlich bis zu 400 000 Migranten aus den ärmsten Staaten Mexikos eine bessere Zukunft in den USA – was erheblichen Druck von der Hauptstadt nimmt.

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