Bevölkerungswachstum
Verhaltener Applaus für 300-millionsten US-Bürger

Die USA zählen ab heute über 300 Millionen Bürger. Die Freude über das Bevölkerungswachstum hält sich bei vielen Amerikanern allerdings in Grenzen. Zunehmende Wasserknappheit, Verkehrsstaus und höhere Müllberge sind einige Gründe für den verhaltenen Applaus. Die weißen US-Bürger quält aber noch etwas anderes.

HB WASHINGTON. Als am 20. November 1967 Robert Ken Woo Jr. in Atlanta (US-Staat Georgia) das Licht der Welt erblickte, waren aus manchem Regierungsgebäude in Washington Jubelrufe zu hören, freudiger Applaus unterbrach gar eine Rede von Präsident Lyndon B. Johnson. Mit der Geburt Woos, Sohn chinesischer Einwander, hatte die Bevölkerungszahl der USA 200 Millionen erreicht.

Wenn nach Berechnungen der US-Statistikbehörde an diesem Dienstag um 7.46 Uhr Ortszeit (13.46 Uhr MESZ) die nächsten 100 Millionen dazugekommen sind, dürfte die Stimmung indes gedämpfter sein. Denn die USA begrüßen ihren dreihundertmillionsten Bürger mit gemischten Gefühlen.

Die Marke von 100 Millionen 1915 sei noch als Beweis der Macht der Vereinigten Staaten in der Welt gerühmt worden, berichtet Dowell Myers, Professor für Stadtplanung und Demographie an der Universität von Südkalifornien. „Bei 200 Millionen haben wir unsere Position gefestigt. Aber bei 300 Millionen fangen wir an, von der Verschlechterung unseres Lebensstandards erdrückt zu werden“, sagte er der „Washington Post“. Es ist die Sorge vor immer knapperen Ressourcen, überfüllten Städten und nicht zuletzt vor dramatischen Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur, die nervös macht.

Kein anderes Industrieland wächst wie die USA. Während in den meisten westlichen Staaten die Bevölkerungszahl stagniert oder sogar leicht fällt, kommt zwischen Maui und Manhattan alle elf Sekunden ein weiterer Mensch statistisch hinzu. Nach China und Indien sind die Vereinigten Staaten das Land mit der drittgrößten Bevölkerung der Welt. Und die 100-Millionen-Schritte folgen immer schneller aufeinander: Von der Unabhängigkeitserklärung 1776 bis zu den ersten 100 Millionen brauchte es 139 Jahre, 200 Millionen waren 52 Jahre später erreicht, bis zu den 300 Millionen waren es dann nur noch 39 Jahre. Die nächste runde Marke erwarten die Statistiker schon 2043.

Eine gewichtige Ursache für das US-Bevölkerungswachstum sind Einwanderer - und ihre Kinder. Latinos machten in der jüngeren Vergangenheit den weit größten Teil der Neuankömmlinge aus, und im Schnitt haben hispanische Frauen ein Kind mehr als weiße. Die Statistiker erwarten, dass sich der Anteil der Latinos von 2000 bis zum Jahr 2050 auf fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung verdoppelt, auch für die Amerikaner mit asiatischen Wurzeln wird eine Verdopplung auf 8 Prozent prognostiziert. Der Anteil der weißen US-Bürger wird demnach jedoch von knapp 70 Prozent auf 50 zurückgehen, während jener der schwarzen Amerikaner bei etwa 14 Prozent stabil bleibt.

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