Beziehung zwischen Libyen und der Schweiz belastet
Wüstensöhne zürnen Eidgenossen

Gaddafi rächt sich für die Verhaftung seines Sohnes, der mit seiner Frau zwei Angestellte geschlagen haben soll, und macht Schweizer Firmen dicht. Bern richtete einen Krisenstab ein. Schweizer Bürgern wird bis auf Weiteres von Reisen nach Libyen abgeraten.

HB GENF. Die vorübergehende Festnahme eines Sohns des libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi in der Schweiz hat das Verhältnis beider Länder schwer belastet. Gaddafi leitete nach Angaben des Schweizer Außenministeriums "beunruhigende Vergeltungsmaßnahmen" ein. Schweizer Unternehmen in Libyen hätten die Aufforderung erhalten, ihre Büros zu schließen. Die Räume mehrerer Vertretungen seien bereits von den Behörden versiegelt worden. Bern richtete einen Krisenstab ein. Schweizer Bürgern wird bis auf Weiteres von Reisen nach Libyen abgeraten.

Gaddafis jüngster Sohn Hannibal und seine Frau waren vergangene Woche in einem Genfer Hotel vorübergehend festgenommen worden. Sie sollen zwei Angestellte geschlagen haben. Libyen zog daraufhin mehrere Diplomaten aus der Schweiz ab, stoppte die Ausgabe von Visa für Schweizer und schränkte Flugverbindungen ein. Die Fluggesellschaft Swiss bestätigte Berichte, wonach ihre Flüge nach Libyen von drei auf einen pro Woche reduziert wurden. Die libysche Fluggesellschaft Afriqiyah reduzierte die Verbindungen nach Genf ebenfalls, wie der dortige Flughafen mitteilte.

Bereits zu Wochenbeginn hatte das Schweizer Außenministerium gewarnt, die libyschen Behörden würden Visa und Aufenthaltsgenehmigungen von Schweizern verstärkt überprüfen. Bei den "geringsten Unregelmäßigkeiten" drohten Ordnungs- und Geldstrafen. Außenministerin Micheline Calmy-Rey protestierte am Dienstag in einem Telefongespräch mit ihrem libyschen Kollegen gegen das Vorgehen Tripolis'. Am Mittwoch brach zudem eine diplomatische Delegation nach Libyen auf, um den dortigen Behörden die Umstände der Festnahme des Gaddafi-Sohns zu erläutern.

Der 32 Jahre alte Hannibal Gaddafi und seine hochschwangere Frau Aline Frau waren vergangene Woche von zwei Angestellten der Körperverletzung, Drohung und Nötigung beschuldigt worden. Die beiden - ein Marokkaner und eine Tunesierin - werfen den Gaddafis vor, sie in einem Luxushotel geschlagen, beleidigt und härtesten Arbeitsbedingungen unterworfen zu haben. Laut einem Bericht der Zeitung "Tribune de Geneve" wurde die Tunesierin ins Krankenhaus gebracht. Gaddafi und seine Frau kamen nach zwei Tagen gegen Zahlung einer Kaution von 500 000 Franken (rund 309 000 Euro) frei. In der vergangenen Woche reisten sie Hals über Kopf ab. Aline Gaddafi ist im neunten Monat schwanger und wollte in Genf ihr Kind zur Welt bringen.

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