Bidsina Iwanischwili

Der Franzose, der Georgien retten will

Bidsina Iwanischwili hat keinen georgischen Pass und wollte gar nicht in die Politik. Doch jetzt wird der Multimilliardär Georgiens wichtigster Mann - sein Konkurrent Saakaschwili räumt die Niederlage öffentlich ein.
Update: 02.10.2012 - 12:19 Uhr 7 Kommentare

Tiflis.

Seehofer zum Tag der Deutschen Einheit in München

Deutlich sichtbar für alle Bewohner der Hauptstadtstadt thront das futuristische Anwesen aus Glas und Stahl auf einem Hügel über dem Zentrum von Tiflis. Dessen Bewohner war lange Zeit für die meisten Georgier weit weniger präsent: Bidsina Iwanischwili, 56 Jahre alt, der reichste Mann des Landes, ein Oligarch, ein Mäzen, französischer Staatsbürger – und ein Phantom, von dem lange nur ein einziges Photo existierte. Diese Zeit ist nun natürlich vorbei, spätestens jetzt, da ihm der Wahlsieg in Georgien sicher ist. Sein Bündnis „Georgischer Traum“ liegt bei der Auszählung vor der „Vereinten Nationalen Bewegung“ von Präsident Micheil Saakaschwili, der seine Niederlage bereits einräumte.

"So arbeitet die Demokratie - wir werden ab jetzt als Oppositionskraft für Georgiens Zukunft kämpfen", sagte der bisherige starke Mann Saakaschwili am frühen Nachmittag in Tiflis. Ein historisches Ereignis - denn Machtwechsel durch demokratische Wahlen sind in der Kaukasusregion nach wie vor die krasse Ausnahme.

In der Nacht hatten noch beide Parteiführer den Wahlsieg für sich beansprucht. Iwanischwilis Koalition komme auf 57 Prozent, teilte jedoch die Wahlkommission am Dienstagmorgen mit. Die Regierungspartei erreiche knapp 40 Prozent. Lange hoffte das Saakaschwili-Lager durch Direktkandidaten die Mehrheit gewinnen zu können – knapp die Hälfte der 150 Sitze im Parlament geht an sie.

Doch wer ist Iwanischwili überhaupt? Die meisten Georgier kennen ihn erst seitdem der Geschäftsmann vor einem Jahr entschied, in die Politik zu wechseln. Nach der Parlamentswahl am Montag schickt er sich an, Georgien in Zukunft zu führen. Zwar muss das Parlament erst im kommenden Jahr einen neuen Premierminister bestimmen. Dieser wird gemäß einer Verfassungsänderung der mächtigste Mann Georgiens.

Es ist eine Rolle, die man dem schmächtigen und zurückhaltend höflichen Iwanischwili kaum zutraut. Kein Wunder: In die Politik habe es ihn ja auch nie gezogen, erklärt er im Gespräch mit Handelsblatt Online. Doch Saakaschwili verhalte sich „zunehmend autoritär“. Da habe der Milliardär nur eine Wahl: „Ich kann das Land verlassen oder in die Politik gehen“, erklärte er vor der Wahl. Andernfalls wäre sein Land verloren gewesen.

Dabei hatten sich Vertreter der Regierungspartei in den vergangenen Monaten redlich bemüht, Iwanischwili als Außenseiter dazustellen, der nicht so recht zu Georgien gehören sollte. Iwanischwili wurde in Tschorwila, einer Ortschaft in der Region Imeretien, im Westen Georgiens geboren. Er war das jüngste von fünf Kindern einer Bauernfamilie.

Dort verehren ihn die Menschen heute, weil der Mäzen die Krankenversicherung der Bürger übernimmt, er ließ neue Häuser bauen und zahlt Kindern die Schuluniformen. Großzügige Spenden erhielten auch andere im Land, beispielsweise das georgisch-orthodoxe Patriarchat. In der Kunstwelt fiel Iwanischwili mit spektakulären Auktionskäufen auf. Nun hoffen Menschen in ganz Georgien auf Wohlstand.

„Handlanger Moskaus“
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7 Kommentare zu "Bidsina Iwanischwili: Der Franzose, der Georgien retten will"

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  • Beim Namen des alten Diktators verstehe ich immer

    Sack-Arsch-Willi

    Ist das schon Freudianisch?

  • tja Leute, die Neue Weltordnung
    mit ihren Helfershelfern
    kommt jetzt in Riesenschritten .....

    und der deutsche Michel schläft ( = diskutiert) immernoch

    http://www.youtube.com/watch?v=apDEp7QbERI&feature=related

  • Ein Wenstentaschen Dschughaschwili von US Gnaden: ich erninnere mich noch gut an das Bild als US Präsidentschaftskandidat Mc Cain Hr. Saakaschwili eine Kugelsichere Veste überreichte.

    Ich bin ja mal gespant ob der auch Rückenschmerzen etwickelt falls ihm der Prozess gemacht wird analog der kleinen Gasprinzessin.


  • @ DashEbi

    Sorry.

    Dann ist also Saakaschwili weiterhin Staatspräsident, aber der Premierminister wird dann dieser Milliardär.

    Gut. In 4 Jahren können wir dann evaluieren, ob sich in Georgien irgendwas zum besseren bewegt hat.

  • Zitat....Ich wünsche dem neuen Präsidenten von Georgien viel Erfolg. Hoffentlich hat er mitbekommen, dass Abchasien und Südossetien souverän bleiben wollen - egal was die USA dem georgischen Präsidenten diktieren.....

    Es geht nicht um die Präsidentschaft, leider.^^ Es waren nur Parlamentswahlen. Bisher hatte Saakaschwili als Präsident auch die Kontrolle über das Parlament und verfügte damit über unbegrenzte Macht.

  • Der neue Präsident hat 57% der Wahlstimmen auf sich vereint.

    Gemäß den Richtlinien der EU ist diese Wahl unfair und muss wiederholt werden. Denn Putin hat dasselbe Ergebnis erreicht!

    Aber ehrlich gesagt: auf die Richtlinien der EU scheißen selbst EU-Politiker.

    Es gibt in der EU keine Richtlinien. Es gibt Korruption, Opportunismus, Haufen Unfähiger die nicht arbeiten dafür aber ordentlich verdienen und die jede Woche tagen, um die Staatsinteressen ihrer Entsendungsstaaten durchzusetzen.


    Ich wünsche dem neuen Präsidenten von Georgien viel Erfolg. Hoffentlich hat er mitbekommen, dass Abchasien und Südossetien souverän bleiben wollen - egal was die USA dem georgischen Präsidenten diktieren.


  • In 3 Jahren kann man nicht das reparieren, was Saakaschwili in seiner Regierungszeit kaputtgemacht hat.

    So muss Georgien seine Handelsbeziehungen zu Russland wieder aufnehmen und das geht auch nicht von heute auf Morgen. Saakaschwili hinterlässt 7 Mrd. Dollar Schulden. Der Lari, die georgische Währung ist völlig überbewertet, was korrigiert werden muss um als Investitionisland interessant zu werden. Rechtssicherheit muss hergestellt werden. Und vieles mehr.

    Dafür benötigt man Jahre. Außerdem wird Saakaschwili noch viel ärger machen. Denn gerade der überteuerte Lari läßte seine Freunde billig importieren und ,analog Griechenland, Inlandprodukte zu teuer erscheinen. Oft lohnt nicht die Produktion.

    Das sollte sich Iwanischwili klar machen.

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