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Bilanzierung von Finanzderivaten: Brüssel hilft Banken mit neuen Bilanzregeln

Die EU-Kommission will den Banken Europas in der aktuellen Krise durch eine Lockerung der Bilanzvorschriften unter die Arme greifen. Um weitere, existenzgefährdende Abschreibungen zumindest einzugrenzen, soll es in Europa fortan möglich sein, Finanzderivate zum Anschaffungswert statt zum Marktwert zu bilanzieren.

von Rolf Benders und Ruth Berschens
EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy will Finanzinstituten in der EU "dieselbe Flexibilität geben wie ihren Kontrahenten in den USA". Foto: dpa Quelle: dpa
EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy will Finanzinstituten in der EU "dieselbe Flexibilität geben wie ihren Kontrahenten in den USA". Foto: dpa Quelle: dpa

BRÜSSEL/WASHINGTON. Man wolle Finanzinstituten in der EU „dieselbe Flexibilität geben wie ihren Kontrahenten in den USA“, hieß es am Wochenende in einer „Informationsmitteilung“ von EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy. Damit durchbricht die Kommission das lange als heilig geltende Marktwertprinzip in der Bilanzierung und schützt die Banken so bis zu einem gewissen Grad vor weiteren Abschreibungen. Die entsprechende Umsetzung in EU-Recht soll noch in dieser Woche erfolgen.

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Hintergrund ist die Wirkung des Marktwertprinzips, die nach Auffassung vieler Experten die Krisen verstärkt. Ausgelöst wurden die aktuellen Verwerfungen, denen eine Reihe von Banken in Europa und den USA zum Opfer gefallen sind, durch den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes. Weltweit mussten Institute seit vergangenen Sommer mehr als 500 Mrd. Dollar auf Immobilienkreditderivate abschreiben. Dass es zu einem solchen Ausmaß an Abschreibungen kommen konnte, lasten viele Experten der verstärkenden Wirkung der internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS an.

Diese seit Anfang des Jahrzehnts sukzessive eingeführten Regeln sehen eine strikte Bewertung der Wertpapierbestände zum jeweiligen Marktpreis vor. Dadurch sollten die Konzerne zu einer ehrlicheren Bilanzierung gezwungen werden. Wie nur von wenigen Experten vorhergesehen, führt dies aber derzeit zu einer Abwärtsspirale an den Märkten. Das sieht wie folgt aus: Schreibt eine Bank ihre Bestände herunter, drückt dies in dem von Verunsicherung geprägten Umfeld den Marktwert der Papiere weiter, so dass andere Institute mit Abschreibungen nachziehen müssen. Die Kurse fallen dann erneut. Das Geldhaus, das als erstes abgeschrieben hatte, muss dann ein Quartal später seine Bilanzen schon wieder korrigieren.

Vor gut zehn Tagen preschte daher die US-Finanzmarktaufsicht SEC vor und lockerte die Bestimmungen in den USA. Nun will die EU nachziehen. Konkret handelt es sich um den Bilanzstandard IAS 39, der so geändert werden soll, dass Wertpapiere in Bilanzpositionen umgebucht werden können, in denen sie nicht nach dem Marktwert bilanziert werden müssen. Sollte den Banken dabei erlaubt werden, die Papiere auf die ursprünglichen Anschaffungkosten heraufzuschreiben, könnten sie im nächsten Quartal vermutlich Milliardengewinne ausweisen.

Klaus-Peter Müller, Präsident des deutschen Bankenverbandes, erwartet jedoch eine andere Regelung. „Wenn die Werte zum 30. September veranschlagt würden, wäre das nur fair“, sagte Müller am Rande der IWF-Tagung. Kritikern, die den Banken vorwerfen, sie wollten sich nur Spielraum für Bilanzmanipulationen schaffen, versuchte er den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Grundsätzlich sollte an dem Prinzip nicht gerüttelt werden.“ Aber man müsse Ausnahmeregelungen für Krisenfälle schaffen, um eine Abwertungsspirale verhindern zu können.

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