Bilanzierungsregeln machen strukturierte Produkte für Kommunen attraktiv
Finanzkrise bringt Frankreichs Gemeinden ins Schwitzen

Französischen Kämmerern steht der Schweiß auf der Stirn: Viele Kommunen haben bis zu einem Drittel ihrer Schulden in Form von strukturierten Titeln aufgenommen, bei denen der Zins auch von Finanzwetten abhängt. Produkte mit signifikaten Risiken, urteilen Experten.

PARIS. Die Stürme an den Finanzmärkten bringen derzeit auch Frankreichs Kämmerer ins Schwitzen. Denn die Kommunen haben bis zu einem Drittel ihrer Schulden in Form von sogenannten strukturieren Titeln aufgenommen, bei denen der zu zahlende Zinssatz zum Teil vom Euro-Kurs oder der Differenz von langfristigen und kurzfristigen Zinssätzen abhängt. "Diese Produkte beinhalten signifikante Risiken", urteilt David Diano, Analyst der Ratingagentur Fitch. Er beziffert das Volumen der Risikoschulden mit 20 bis 25 Mrd. Euro. Insgesamt stehen Frankreichs Kommunen mit 125 Mrd. Euro in der Kreide.

Patrice Chatard, Geschäftsführer von Finance Active, einer Beratungsgesellschaft für Schuldenmanagement, hält das Volumen der toxischen Papiere für kleiner - "rund zehn Mrd. Euro". Aber auch er räumt ein: "Hier gibt es ein Problem, das die Kommunen lösen müssen." Auch Krankenhäuser hätten solche gefährlichen Produkte gekauft, um sich zu finanzieren. Vor allem in den Jahren 2005 und 2006 haben Banken den Kommunen in Europa strukturierte Produkte verkauft. Denn in dieser Zeit waren die Zinsen sehr niedrig, die Kreditmargen ebenfalls; der Verkauf komplexer Schulden-Produkte war für Banken daher rentabler. Dabei lockten sie Gemeinden oft mit niedrigen festen Zinsen für zwei, drei Jahre. Anschließend hängt der Zins von einer Finanzwette ab.

Beispiel hierfür sind sogenannte Swap-Verträge. Dabei bestimmt die Differenz zwischen langfristigen und kurzfristigen Zinsen über den Zinssatz. Steigen die kurzfristigen Zinsen über das Niveau der langfristigen Sätze (inverse Zinskurve), wie es derzeit der Fall ist, so werden diese Verträge für die Kommunen teuer.

Solch riskante Finanzierungen sorgen auch in Deutschland für Ärger. Derzeit streitet sich Würzburg mit der Deutschen Bank über Schadenersatz. Das Geldhaus hatte den Würzburger Stadtwerken zur Senkung der Zinslast einen Swap-Vertrag verkauft. Das Landgericht hatte der Stadt in erster Instanz Recht gegeben, dass die Bank nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt habe. Die Bank fechtet das Urteil an.

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