Bilderberg-Konferenz in Dresden
Die elitären Geheimnistuer

Die „Weltregierung“ trifft sich in Dresden: Die Bilderberg-Konferenz lädt die Mächtigen aus Wirtschaft und Politik zum Treffen hinter verschlossenen Türen. Unter den Teilnehmern gibt es schon so etwas wie Stammgäste.
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DresdenWenn die von Legenden umrankte Bilderberg-Konferenz einlädt, sind Verschwörungstheoretiker nicht weit. Kritiker sprechen von einer intransparenten Weltregierung, die nicht demokratisch legitimiert sei. Auch die diesjährige Bilderberg-Konferenz in Dresden zieht Gegner von links und rechts an. Teilnehmer haben für die Proteste allerdings wenig Verständnis. „Die Verschwörungstheorien sind ein absoluter Unsinn. Es handelt sich um einen offenen Meinungsaustausch“, sagte ein früherer Regierungschef dem Handelsblatt, der mehrmals am Bilderberg-Treffen teilnahm. „Wenn man den vertraulichen Charakter der Konferenz abschafft, dann wird in erster Linie nur zum Fenster hinaus geredet werden.“

Am Donnerstag ist es wieder so weit, die Bilderberg-Konferenz trifft sich diesmal in der sächsischen Landeshauptstadt im noblen Taschenbergpalais. Die deutsche Bundesregierung ist bei diesem Treffen von 130 Mächtigen gleich mit drei Bundesministern dabei. Finanzminister Wolfgang Schäuble, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Innenminister Thomas de Maizière. Alle drei sind CDU-Politiker. Von der Leyen ist auf der Bilderberg-Konferenz fast schon ein Stammgast. Die Niedersächsin war auch schon im vergangenen Jahr in Österreich dabei. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) nimmt an der Bilderberg-Konferenz als Pflichttermin statt. Er wird aber nur bei einem Abendessen zugegen sein.

Der Protest gegen die Konferenz von Donnerstag bis Sonntag in Dresden wird voraussichtlich massiver als im vergangenen Jahr in Tirol ausfallen. Die Gegner reichen von der ausländerfeindlichen Pegida und der Alternative für Deutschland (AfD) über die rechtsextremistische NPD bis hin zu linken Gruppen.

Themen der Bilderberg-Konferenz sind in diesem Jahr die Flüchtlingskrise, die Präsidentschaftswahlen in den USA, Energie- und Rohstoffpreise, Internetsicherheit, das Prekariat sowie Länder wie China, Russland und der Nahe Osten. Unter den Teilnehmern sind unter anderen Siemens-Chef Joe Kaeser, Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner und der Vorstandsvorsitzende John Cryan, Springer-CEO Matthias Döpfner, Gruner-Chefin Julia Jäkel, Deutsche-Börse-CEO Carsten Kengeter, Airbus-Chef Thomas Enders und BDI-Präsident Ulrich Grillo. „Ich fand die Bilderberg-Treffen immer gewinnbringend. Dort habe ich noch nie meine Zeit verplempert“, sagte ein Teilnehmer. Selbst der frühere Außenminister Henry Kissinger macht sich auf dem Weg nach Dresden.

Im vergangenen Jahr traf sich die erlesene Runde im Interalpen-Hotel Tyrol in der Nähe von Seefeld, unmittelbar nach dem G7-Treffen im oberbayerischen Schloss Elmau, um über die großen Themen dieser Welt zu diskutieren. Organisiert wird das geheime Treffen seit Jahren von einem Lenkungsausschuss unter Führung von Henri de Castries, Vorstandschef des französischen Versicherungskonzerns Axa.

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Munition für Verschwörungstheoretiker

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  • „Wenn man den vertraulichen Charakter der Konferenz abschafft, dann wird in erster Linie nur zum Fenster hinaus geredet werden.“

    Logisch, gerade das gilt es ja zu verhindern (dass etwas zum Fenster hinausdringt und die ignoranten Untertanen was mitkriegen – die könnten ja sonst glatt auf die Idee kommen, mitreden zu wollen).

    Und eben deshalb müssen solche Konferenzen (Verzeihung, diese „offenen Meinungsaustausche“) der „Mächtigen aus Wirtschaft und Politik“ unbedingt hinter verschlossenen Türen stattfinden.

    Ist doch alles nur zu unserem Besten.

    Alles klar?

  • @Old Harold
    Wie putzig die Teilnehmer als "die Mächtigen dieser Welt" zu bezeichnen, die uns vor Krieg und elend beschützen, indem sie miteinander reden. In der Realität dürfte wohl nicht selten auch das Gegenteil der Fall sein, wenn es darum geht missliebige Staatslenker loszuwerden. Und auch die Auswahl der Teilnehmer dürfte wohl am ehesten mit "der Westen" umschrieben werden.

    Und auch beim thema Prekariat scheint hier ein Missverständnis vorzuliegen. Es handelt sich dabei keinesfalls um die sog. Unterschicht, sondern vielmehr überwiegend um den akademischen Nachwuchs, dem zunehmend nur noch befristete Jobperspektiven geboten werden, die keine gesicherte Lebensperspektive bieten können.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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