Bildungsstudie

Schlaue Japaner hängen Deutsche ab

Die Pisa-Schultests haben Deutschland einst aufgeschreckt, jetzt zeigt eine OECD-Studie: Auch bei den Erwachsenen sind die Deutschen nur Mittelmaß. Experten sind alarmiert – zumal sich bessere Bildung bezahlt macht.
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Der Piaac-Test wurde es nicht ganz so kompliziert – mathematische Aufgaben zählten aber auch dazu. Quelle: dpa

Der Piaac-Test wurde es nicht ganz so kompliziert – mathematische Aufgaben zählten aber auch dazu.

(Foto: dpa)

DüsseldorfHerzlichen Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich in diesen Artikel geklickt. Und damit eine Fähigkeit nachgewiesen, die nicht selbstverständlich ist. In Deutschland hat mehr als jeder zehnte Erwachsene keinerlei Erfahrung im Umgang mit Computern und scheitert an grundlegenden Anforderungen – beispielsweise am Bedienen einer Maus.

Wobei nicht nur der Umgang mit dem Computer vielen Deutschen Rätsel aufgibt. Auch ihre Kompetenzen in anderen Schlüsselqualifikationen sind im internationalen Vergleich nur mittelmäßig. Dies gilt sowohl für das Lesen und Verstehen von Texten wie auch für einfache Grundrechenarten, zum Beispiel Prozentrechnen und Dreisatzaufgaben. Zu diesem Ergebnis kommt der „Skills Outlook 2013“, eine von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) an diesem Dienstag veröffentlichte Untersuchung.

Überprüft wurden bei diesem ersten „Pisa-Test für Erwachsene“, der tatsächlich Piaac-Test heißt, das Wissen der 16- bis 65-Jährigen in 24 Industrienationen. Piaac steht für „Programme for the International Assessment of Adult Competencies“. Während die Deutschen nur durchschnittlich abschneiden, erreichen die Erwachsenen in Japan und Finnland im Lesen und Rechnen Spitzenwerte. Im Schnitt haben Japaner und Finnen gegenüber Gleichaltrigen in Deutschland einen Kompetenzvorsprung, der einer Lernleistung von vier bis fünf Schuljahren entspricht, heißt es in der Studie. Getestet wurden rund 166.000 repräsentativ ausgewählte Menschen, aus Deutschland nahmen 5465 Personen teil.

Es ist die erste Befragung ihrer Art. Bislang konnten lediglich die formalen Bildungsabschlüsse verglichen werden. Überprüft wurden drei Themenfelder: Lesekompetenz, alltagsmathematische Kompetenz und die technologiebasierte Problemlösekompetenz. Für Deutschland ergibt sich ein sehr kontrastreiches Bild: Bei der Lesefähigkeit liegen die Erwachsenen unter dem Durchschnitt der OECD und der EU, beim Rechnen knapp darüber und bei der technikgestützten Problemlösung deutlich darüber. Während Japan und Finnland die Spitzenplätze belegen, sind die Resultate für Italien und Spanien niederschmetternd. In Teilen gilt das auch für Frankreich und die USA.

Recht gibt die Studie den Bildungsexperten und Politikern, die beklagen, dass der Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft abhängig ist. „In kaum einem anderen Land hängt die Lesekompetenz so sehr vom Bildungsstand der Eltern ab wie hierzulande“, lautet ein Ergebnis der Untersuchung.

Testpersonen, deren Eltern weder Abitur noch Berufsausbildung haben, erzielten in Sachen Textverständnis im Schnitt 54 Punkte weniger als jene, bei denen mindesten ein Elternteil einen Hochschulabschluss oder einen Meisterbrief hatte. Sieben Punkte entsprechen auf der Leistungsskala dem Lernvolumen eines Schuljahrs. Dagegen beweise Japan, so die Autoren, dass hohes Kompetenzniveau und eine hohe Chancengerechtigkeit nicht per se widersprüchlich sind.

„Das mittelmäßige Abschneiden Deutschlands darf uns nicht kalt lassen. Denn die neuen Ergebnisse belegen, wie zentral sowohl grundlegende Kompetenzen als auch Bildungsabschlüsse für den Erfolg am Arbeitsmarkt sind“, sagt der ifo-Bildungsökonom Ludger Wößmann zu den Studien-Ergebnissen. Die OECD teilt die Befragten in fünf Kompetenzstufen – wer nur eine Stufe besser abschneidet, verdient im Schnitt zehn Prozent mehr. Außerdem gehe jedes zusätzliche Bildungsjahr mit bis zu zehn Prozent höherem Einkommen einher. „Gerade in Deutschland werden bessere Bildungsleistungen am Arbeitsmarkt entlohnt“, ergänzt ifo-Forscher Simon Wiederhold.

Möglichkeit zur Weiterbildung ist das A und O
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34 Kommentare zu "Bildungsstudie: Schlaue Japaner hängen Deutsche ab"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Auch die Legionäre selber mussten oft ran. In Rom war die Quote ca. 1/3 Sklaven wenn ich mich richtig erinnere. Straßen steht natürlich sinnbildlich für technisches Wissen in allen möglichen Bereichen, dieses Wissen war nicht Ergebnis von Sklavenarbeit sondern ist eine kulturelle Leistung der mediterranen Länder, die in der gesamten Antike ohne Beispiel ist. Mittel- und Nordeuropäer haben außer Plünderungen für über 1500 Jahre nichts zustande gebracht. "Bildungsferne" wäre hier ein mehr als schmeichelhafter Begriff. Bildungstradition ist bei uns schlicht nicht existent, es ist vielleicht sogar wesensfremd

  • ... nach der Lektüre einiger durchschnittlicher Kommentare kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass die Studie zugunsten Deutschlands geschönt wurde.

    Aber Sie sollten solche Kommentare nicht allzu ernst nehmen. Das sind die typischen Schutzreflexe einer Herrenrasse.

  • Nach der Lektüre einiger durchschnittlicher Kommentare unter Handelsblatt-Artikeln, könnte man zu dem Schluss gelangen, dass solche groß angelegten Studien gar nicht notwendig sind!

  • 3 Wochen in La Coruna in Galizien verbringend konnte ich feststellen, dass in allen Bars und Restaurants bis zu 7 Zeitungen für die Gäste ausliegen: 2 wie El Pais oder El Mundo,
    3 galizische Blätter und 2 Sportgazetten. Die Spanier haben auch
    die Zeit zum Lesen, weil nicht alle 5 Minuten jemand fragt:
    Möchten Sie noch etwas ? Darf ich noch etwas bringen ? etc.
    und damit den Gast rausekelt. Dann haben die Arbeiter bis zu
    2 Stunden Mittagszeit, können sich ungestört unterhalten und
    lesen. Bei uns gibt es BILD und noch ein Provinzblatt, wenn
    der Gast Glück hat. Dem Arbeiter bei uns hat man sogar die
    Frühstückspause gestrichen, 10-Stunden-Schichten sind häufig.
    Die Malocher sind zu kaputt, um etwas Anstrengendes zu lesen.
    Das ist unser Hochmut: die einen mit Abitur und Studium halten
    sich für den Nabel der Welt. Die so wichtigen (Fach-)Arbeiter
    sind unser Bodensatz, auf dem jeder sog. Leistungträger
    herumtrampeln darf. Man lässt sie nicht hochkommen, auch dies
    ein Grund für die mangelnde Bildung unseres Volkes.

  • In der Studie geht es eigentlich gar nicht so sehr um die Mängel in der schulischen Allgemeinbildung von Erwachsenen, sondern um sogenannte Grundbildungsdefizite: Lesen/Schreiben, Rechnen und PC-Bedienung. Dabei handelt es sich um Menschen, die, zumindest in Deutschland, acht Jahre zur Schule gegangen sind und diese Fähigkeiten trotzdem nicht erlernt haben, und zwar von Anfang an nicht. D.h: Es fehlte das Fundament, über das man verfügen muß, um überhaupt z.B. Lesen und Schreiben lernen zu können. Dieses Fundament ist die Sprache und das Textverständnis, das man bis zum Alter von 4 Jahren von den Erwachsenen gelernt haben muß, bei denen man aufwächst. Dieses Fundament setzt die Schule schon voraus und kümmert sich deshalb auch nicht weiter darum. Wir reden hier von Menschen, die z.B. auf die Fragen wer, was, wen, wie, wozu und wann, nachdem sie einen Text vernommen haben, keine Antwort finden. Ihnen wird deshalb die Beziehung zwischen Buchstaben und dem Lautbestand einer Sprache oder die Beziehungen zwischen Zahlen und ihren Ordnungen, ihren Eigenschaften und Verhältnissen zu außersprachlichen Größen auch nicht einsichtig. Um dieses Fundament zu schaffen, ist nicht so sehr Deutschunterricht nötig, sondern Sprachförderung, d.h. es ist einfach nötig zu lernen, wie man in der Sprache denkt, wie Texte funktionieren, wie durch Sprache Wissen strukturiet wird. Und das kann man auch noch als Erwachsener lernen. Dann klappt es auch mit den Maus-Clicks.
    Die Unternehmen müßten erkennen, daß diese Förderung ihrer Auszubildenden und gewerblichen Mitarbeiter oder auch ihrer Mitarbeiter in vielen Dienstleistungsbereichen die wohl organsierten, aber trotzdem aufgrund dieser Defizite nicht störungsfrei verlaufenden Betriebsvorgänge tatsächlich beheben können. Und für die betroffenen Mitarbeiter ist dieses Können auch nützlich, z.B. wenn sie plötzlich in der Lage sind, einen Lohnsteuerjahresausgleich zu machen oder verstehen, daß ein bestimmter Umgang mit Geld zur Lohnpfändung führt

  • ..
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    ..

  • @ Marco99

    Die meisten "Kulturleistungen" der Antike entstanden auf dem Rücken der Sklaven. Sokrates konnte über seine Umwelt sinnieren weil auf jeden griechischen Bürger 10 Sklaven und Unfreie kamen. Rom hat seine Straßen durch Sklaven errichten lassen um schneller Truppen in die unterworfenen Gebiete die es auspressen wollte entsenden zu können.

    Man muss sich nicht dafür schämen nicht über Jahrhunderte andere Völker versklavt zu haben.

  • @Immer..

    Können Sie Ihren Rundumschlag auch in irgendeiner Weise mit Substanz füllen ? Oder gehören Sie auch zu denen, die sich selbst für "gebildet" halten, letztlich aber nur hohle Phrasen in die Umgebung blasen.
    Mehr ist Ihr Vortrag nämlich leider nicht.

  • @ RidiKuel

    Sie wollen doch nicht etwa andeuten dass die 20% Personen mit Migrationshintergrund in D irgendeinen signifikanten Einfluss gehabt haben?

    Oder sollte es tatsächlich schon seit 10 Jahren bekannt sein dass die 2% Ausländerquote in Japan und Finnland mehr Einfluss haben als offiziell zugegeben.

    Wo uns "Multi-Kulti" doch so "bereichert"?

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