Bildungsvergleich
Pisa-Verbesserung mit Schönheitsfehler

Eigentlich soll sie erst am 4. Dezember veröffentlicht werden, doch nun ist die neue Pisa-Bildungsstudie schon in der Welt. Das Ergebnis ist zwar nicht berauschend, aber immerhin arbeitet sich Deutschland in dem Ländervergleich von 15-Jährigen nach oben. Kleiner Schönheitsfehler: So recht vergleichbar mit der Vorgängerstudie ist das neue Ranking nicht.

HB BERLIN. Wie vorzeitig bekannt wurde, gehören die 15-jährigen Deutschen laut der neuen Pisa-Studie beim Umweltwissen und in den Naturwissenschaften zur internationalen Spitzengruppe. Sie landen auf Rang 13 von 57 Staaten, berichtet die spanische Lehrerzeitung „Magisnet“. Dies deckt sich mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa. Bei der Pisa-Studie 2003 lag Deutschland noch auf Platz 18. Laut OECD sind aber beide Tests wegen ihrer geänderten Aufgabenstruktur nicht vergleichbar. Finnland konnte seinen ersten Rang erneut behaupten.

Bei Pisa liegt Deutschland in Naturwissenschaften mit 516 Punkten deutlich hinter dem Weltbesten Finnland, der 563 Punkte erreicht. 30 Punkte entsprechen nach Lesart der Pisa-Forscher dem Lernfortschritt von einem Schuljahr. Nach Finnland folgen Hongkong, Kanada und Taiwan. Österreich erreicht mit 511 Punkten Platz 18 (vorher 23). Dagegen fällt die Schweiz vom 12. auf den 16. Rang. Die Naturwissenschaften sind erstmals Pisa-Schwerpunkt. Dazu war das gesamte Aufgabenspektrum umgestellt und vor allem Umweltwissen in den Mittelpunkt gestellt worden. Damit kam man auch deutschen Wünschen entgegen.

Bei der Grundschulstudie Iglu gibt es bei den deutschen Viertklässlern sowohl Verbesserungen bei der Leseleistung insgesamt wie auch bei der Förderung von Risikoschülern und Migrantenkindern. Nach der am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Iglu-Studie 2006 belegen die Deutschen Rang 11 unter 35 Nationen und 10 Regionen. Internationale Spitzenreiter sind Russland und Hongkong, die Schlusslichter Marokko und Südafrika. Bei Russland gibt es allerdings einige statistische Probleme.

Iglu belegt allerdings erneut die fehlende Chancengleichheit beim Übergang von der Grundschule ins Gymnasium. Hier haben die Probleme noch zugenommen. Laut Iglu fällt es Zehnjährigen aus besseren Schichten immer leichter, selbst bei weit unterdurchschnittlichen Leistungen eine Empfehlung ihrer Grundschule für den Besuch des Gymnasiums zu erhalten. Von einem Kind aus einem einfachen Arbeiterhaushalt werden dafür dagegen immer höhere Leistungen verlangt. Der deutsche Iglu-Koordinator Wilfried Bos warnte davor, dies den Grundschullehren anzulasten. Dies sei vielmehr ein „institutionelles Problem“. In Großstädten sollten Gymnasien zu Ganztagsschulen umgewandelt werden und sich für mehr Förderung öffnen.

Iglu testet nicht nur das Lesevermögen sondern vor allem die Fähigkeit, aus dem Gelesenen Schlüsse zu ziehen. In Deutschland wurde der Test im Frühjahr 2006 an 397 Schulen gemacht. Insgesamt nahmen daran 7 900 Viertklässler teil.

Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte die Kultusminister nach den neuen Ergebnissen der Schulleistungsstudien vor „zu viel Ephorie“ gewarnt. Die großen Probleme des deutschen Schulsystems seien bei weitem nicht gelöst, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. Nach wie vor sei in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg so groß wie in Deutschland.

Bei der Pisa-Untersuchung könne man nicht ohne weiteres von Leistungsverbesserungen ausgehen, so Demmer. Die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Tests von 2006 und 2003 seien in keiner Weise vergleichbar, weil sich inzwischen das gesamte Aufgabenspektrum verändert habe. Demmer: „Man muss sich hüten, hier Äpfel mit Birnen zu vergleichen.“

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