Billige Arbeitskräfte
Südeuropa profitiert von Migranten

Kaum ein Land hat von den afrikanischen Flüchtlingen so stark profitiert wie Spanien. Die Unternehmen des Landes haben den Zustrom billiger Arbeitskräfte dankend angenommen und bei Investitionen in moderne Maschinen oder die Ausbildung der Mitarbeiter gespart. Das rächt sich jetzt.

PARIS / MAILAND / MADRID. Kaum ein Tag vergeht, an dem nichts über eine neue Flüchtlingswelle in den Zeitungen steht. Afrikaner nehmen in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft die lebensgefährliche Passage über das Mittelmeer auf sich und landen – wenn sie Glück haben – auf der italienischen Insel Lampedusa oder den Kanaren. Die Politik sucht Wege, um den Strom zu stoppen – zuletzt beim europäisch-afrikanischen Gipfel Anfang der Woche in Rabat. Doch bei den Mittelmeeranrainern reift auch die Erkenntnis, dass es ohne Einwanderung nicht geht.

Kaum ein Land hat davon zuletzt so stark profitiert wie Spanien. 3,3 Millionen Immigranten kamen seit 1995 offiziell ins Land, vor allem aus Lateinamerika, aber auch aus Westafrika und Osteuropa. 2,4 Millionen haben einen regulären Job und zahlen ins Sozialversicherungssystem ein. Rund 1,5 Millionen arbeiten nach Schätzungen schwarz – viele davon noch immer ohne Aufenthaltsgenehmigung, obwohl die Regierung im letzten Jahr 700 000 illegal Eingereiste, die einen Job vorweisen konnten, einbürgerte. „Sie zahlen Steuern und tragen dazu bei, dass unsere Sozialversicherungssysteme und der Staatshaushalt ausgeglichen sind“, sagt Josep Oliver, Wirtschaftsprofessor an der Autonomen Universität in Barcelona. In den letzten zehn Jahren wuchs das Pro-Kopf-Einkommen der Spanier um 2,6 Prozent. Ohne Einwanderer, heißt es in einer Studie der Sparkasse Caixa Catalunya, wäre es dagegen um 0,64 Prozent gesunken.

Spaniens Unternehmen haben den Zustrom billiger Arbeitskräfte dankend angenommen und bei Investitionen in moderne Maschinen oder die Ausbildung der Mitarbeiter gespart. Das rächt sich jetzt: „Durch die starke Einwanderung von Hilfsarbeitern haben wir bei der Produktivität enorm eingebüßt“, sagt Oliver. Im Ausland sind Spaniens Firmen deshalb kaum noch wettbewerbsfähig.

Auch Italien ist heute Zentrum der Immigration: „Das Tempo ist erstaunlich“, sagt Luca Visconti, Wirtschaftsprofessor an der Mailänder Bocconi-Universität. „Italien hat sich innerhalb von 15 Jahren zum drittgrößten Einwanderungsland in Europa entwickelt.“ Rund 200 000 Ausländer kommen pro Jahr. Die Bedeutung der Immigration für den Arbeitsmarkt hat schon die alte Regierung unter Premier Silvio Berlusconi erkannt, die – ähnlich wie in Spanien – illegalen Einwanderern mit Job die notwendigen Aufenthaltspapiere gewährte. Wie die Einwanderungspolitik unter Romano Prodi aussehen soll, ist noch nicht klar zu erkennen. Es gibt Überlegungen, allen in Italien Geborenen automatisch die italienische Staatsbürgerschaft zu geben.

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