1 Bewertung *****
07.08.2008 
Urteil im ersten Guantanamo-Prozess

Bin Ladens Fahrer von Militärgericht verurteilt

Im ersten Guantanamo-Prozess wurde der frühere Fahrer von Osama bin Laden zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Zuvor hatten die Geschworenen ihn schuldig gesprochen. Das am Donnerstag am US-Stütztpunkt auf Kuba verkündete Strafmaß bedeutet, dass er in sechs Monaten auf freien Fuß gesetzt werden könnte.

Der Jemenit Salim Hamdan (hier in einer Gerichtszeichnung) soll Osama bin Laden dabei geholfen, sich dem Zugriff der US-Behörden zu entziehen. Foto: dpaLupe

Der Jemenit Salim Hamdan (hier in einer Gerichtszeichnung) soll Osama bin Laden dabei geholfen, sich dem Zugriff der US-Behörden zu entziehen. Foto: dpa

HB WASHINGTON. Es war der erste US-Kriegsverbrecherprozess seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Militärjury im Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba blieb damit am Donnerstag deutlich unter dem Antrag der Anklage, die mindestens 30 Jahre für Salim Ahmed Hamdan wegen Unterstützung des Terrorismus gefordert hatte. Ihm würden zudem 61 Monate Gefangenschaft auf die Strafe angerechnet, sagte ein Militärsprecher. Dennoch könnte Hamdan länger als die verbleibenden fünf Monate festgehalten werden, da die USA ihn als „feindlichen Kämpfer“ betrachten.

Der 37-Jährige war am Vortag der Unterstützung des Terrorismus für schuldig befunden worden. Die Militärjury sprach ihn jedoch vom schwereren Vorwurf der Verschwörung frei. Der Angeklagte hatte bei der Urteilsfindung um Nachsicht gebeten. Er habe die Arbeit nur angenommen, weil er Geld brauchte, beteuerte Hamdan.

Die Anklage hatte dem aus dem Jemen stammenden Mann vorgeworfen, faktisch Leibwächter Bin Ladens gewesen zu sein und ihm dabei geholfen zu haben, der Verfolgung durch US-Spezialfahnder zu entkommen. Das Militärgericht hatte aber zu Beginn des Verfahrens einige Aussagen Hamdans für nicht verwendbar erklärt, weil sie unter „Anwendung von Zwangsmitteln“ - sprich Folter - entstanden seien.

Die Verfahren vor dem Sondergericht sind international umstritten, weil die Angeklagten weniger Rechte als in normalen Militärprozessen oder Zivilverfahren haben. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von „Prozessen zweiter Klasse, die die US- Regierung ihren Bürgern niemals zumuten würde“.

Hamdan war Ende 2001 an einer Straßensperre in Afghanistan gefasst worden und als einer der ersten Häftlinge in das umstrittene Gefangenlager gebracht worden, das die US-Regierung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet hatte. Sein Prozess war zwar das erste Verfahren in Guantánamo, nicht jedoch das erste Urteil: Der Australier David Hicks hatte sich 2007 für schuldig erklärt und war danach ohne Prozess an sein Heimatland überstellt worden. Er ist inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Der glücklose Beck – Chro...

    Der glücklose Beck – Chronik eines Abstiegs

    Kurt Beck gibt auf. Nach immer neuen Tiefschlägen ist er vom SPD-Parteivorsitz zurückgetreten. Die Negativ-Schlagzeilen, denen er sich seit Sommer 2007 ausgesetzt sah, ließen die Popularitätswerte der SPD auf Bundesebene und zuletzt sogar in Becks Heimatland sinken. Di...Bildergalerie 

  • Steinmeiers Freunde und F...

    Steinmeiers Freunde und Feinde

    Frank-Walter Steinmeier führt die SPD bei der Wahl 2009 an. Doch nicht alle führenden Genossen sind ihm wohl gesonnen. Wie jeder Politiker hat auch Steinmeier parteiinterne Gegner und Unterstützer. Seine Freunde und Feinde im Überblick.Bildergalerie 

  • Müntefering ist wieder ga...

    Müntefering ist wieder ganz oben

    Franz Müntefering soll Kurt Beck als SPD-Vorsitzenden ablösen. Damit übernimmt der Sauerländer einen Posten, den er schon einmal hatte – und zwar von März 2004 bis November 2005. Er legte damals das Amt nieder, weil er seinen Wunschkandidaten im Parteivorstand nicht al...Bildergalerie 

  • „Datendieben den Garaus m...

    „Datendieben den Garaus machen“

    Auf einem Gipfeltreffen, das heute in Berlin stattfindet, suchen die Bundesregierung und Verbraucherverbände Wege, den illegalen Handel mit Kundendaten einzudämmen. Unternehmen fürchten das Verbot und warnen vor zu viel Regulierung. Einen Kompromiss zu finden könnte sc...Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Ein-Parteien-Parlament in Ankara? 

07.09.2008Global Reporting

Wie schnell sich die Zeiten ändern: noch vor sechs Wochen balancierten der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan und seine islamisch-konservative AKP im Verbotsverfahren vor dem türkischen Verfassungsgericht am Rand eines politischen Abgrunds. Nun steht die Partei stärker da als je zuvor. Blog


weiterMadagaskar

Back to the USSR 

20.08.2008Madagaskar

Krieg als Mittel der Politik ist auch im 21. Jahrhundert keine Ausnahme und nicht den Despoten vorbehalten. Blog