Birma
Hilfe kommt nur schleppend an

Zwar kommt langsam Hilfe in dem von einem Wirbelsturm betroffenen Birma an. Doch Vertreter der Vereinten Nationen und von Hilfsorganisationen sehen immer noch einen großen ungedeckten Bedarf.

HB RANGUN. Fünf Wochen nach dem in Birma sind fünf UN-Hubschrauber zur Katastrophenhilfe in Rangun eingetroffen. Die von den Vereinten Nationen gecharterten Hubschrauber waren am frühen Morgen aus Bangkok gestartet, wo sie tagelang auf eine Landeerlaubnis in Birma gewartet hatten, wie der Sprecher für das Welternährungsprogramm (WFP), Paul Risley, sagte. Sie sollen Helfer in einige der am meisten zerstörten Dörfer im Irawadi-Delta bringen. "Es ist ein guter Anfang", sagte Risley. Er hoffe, dass die Helikopter nächste Woche in das Delta fliegen könnten.

Das WFP hatte vor rund zwei Wochen die Erlaubnis von der Militärjunta erhalten, zehn Hubschrauber in das Land einfliegen zu lassen, in dem mehr als eine Million Menschen nach wie vor keine ausländischen Hilfen erhalten haben. Der erste Helikopter landete am 22. Mai in Rangun, durfte seinen ersten Flug ins Irawadi-Delta aber erst am Montag machen. Vier weitere Hubschrauber warten noch in Bangkok auf ihre Flugerlaubnis.

Die birmanische Militärjunta hatte mit ihrer Weigerung, ausländische Helfer ins Land zu lassen, weltweit Empörung ausgelöst. Rund 2,4 Millionen Menschen brauchen nach dem Zyklon Nahrungsmittel, Notunterkünfte und Medikamente. Am 23. Mai willigte die Junta ein, ausländischen Helfern Zugang zu gewähren, Fortschritte machen sich jedoch nur langsam bemerkbar.

Hunderttausende Überlebende des Zyklons "Nargis" in Birma benötigen nach Angaben von Hilfsorganisationen dringend Notunterkünfte. Sonst seien sie mit Beginn der Monsunzeit den heftigen Regenfällen schonungslos ausgesetzt. "Die Leute sind geschwächt. Sie sind krank, sie sind hungrig", sagte John Sparrow, ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Ohne Obdach verschärfe sich die Situation für die Zyklon-Opfer ernstlich. Es würden dringend Zelte für rund 1,5 Millionen Menschen benötigt.

UN-Nothilfekoordinator John Holmes hat unterdessen die in Birma herrschende Militärregierung aufgefordert, weitere Hilfskräfte zur Versorgung der Sturmopfer ins Land zu lassen. Zwar hätten 180 UN - Mitarbeiter und weitere internationale Hilfskräfte inzwischen Visa zur Einreise erhalten, sagte Holmes am Freitag in New York und sprach von einem Schritt "in die richtige Richtung". Es würden aber weitere Helfer und Hilfsgüter im Katastrophengebiet gebraucht.

Derzeit seien noch 20 Visa-Anfragen für UN-Mitarbeiter anhängig. Er sei aber guter Hoffnung, dass auch diese von den birmanischen Behörden erteilt würden, so Holmes. Die Organisation Südostasiatischer Staaten (ASEAN) hätte auch 200 Helfer nach Birma entsandt; deutsche und japanische Teams arbeiteten ebenfalls in der Krisenregion vor allem an der Trinkwasseraufbereitung für die Sturmopfer. Zusätzlich seien zahlreiche Hilfsorganisationen mit eigenen oder birmanischen Mitarbeitern im Einsatz.

Seit die birmanische Regierung Hilfslieferungen zulasse, landeten täglich rund 15 Flugzeuge mit Hilfsgütern in Rangun, sagte Holmes. Auch See- und Landverbindungen seien für Hilfskonvois geöffnet worden. "Unser Eindruck ist, dass nur relativ wenige Menschen noch nicht erreicht oder besucht wurden." Bis aber jeder das bekomme, was er brauche, sei es noch ein langer Weg, sagte Holmes.

Allein die UN haben nach eigenen Schätzungen mittlerweile 1,3 Millionen der rund 2,4 Millionen hilfsbedürftigen Menschen erreicht. "Obwohl noch immer viele Menschen dringend Hilfe brauchen, gibt es im Moment keine Anzeichen für eine Hungersnot", so Holmes. Bislang habe die Staatengemeinschaft 155 Millionen Dollar an Hilfsgeldern für Birma ausgegeben oder die Zahlung zugesagt. Zusätzlich hätten einzelne Regierungen 83 Millionen Dollar gegeben und weitere 51 Millionen in Aussicht gestellt. "Wir hätten gern weitere Zahlungen oder Zahlungszusagen, damit sichergestellt ist, dass die Pipeline für die Hilfe auch in den kommenden Wochen und Monaten weiter gefüllt ist", sagte Holmes.

Durch den Zyklon "Nargis" waren Anfang Mai 78 000 Menschen Regierungsangaben zufolge getötet worden. Nach anderen Schätzungen sind wahrscheinlich 134 000 Menschen ums Leben gekommen. Hunderttausende wurden obdachlos, mindestens 56 000 gelten als vermisst.. Erst nach wochenlangem Zögern hatte die Militärregierung erste ausländische Helfer ins Land gelassen. Nach Schätzung der Vereinten Nationen waren rund 2,4 Millionen Birmaner von dem Wirbelsturm Anfang Mai betroffen.

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