Bis auf weiteres
EZB nimmt Hellas-Bonds nicht mehr als Garantie

Bis der Troika-Bericht vorliegt, will die EZB keine griechischen Staatsanleihen mehr als Garantien akzeptieren. Für die Banken des Krisenstaates bedeutet das: Sie hängen bis auf weiteres am Tropf ihrer eigenen Notenbank.
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Frankfurt/AthenDie Europäische Zentralbank erhöht den Druck auf Griechenland. Ab kommenden Mittwoch werde die EZB vorerst keine Staatsanleihen des Landes mehr als Sicherheiten bei ihren Refinanzierungsgeschäften akzeptieren, teilte die Notenbank am Freitag in Frankfurt mit.

Über die Wiederzulassung der Papiere werde erst nach dem nächsten Bericht der Troika über den Stand der Reformen in dem besonders gebeutelten Euro-Land entschieden. Bis dahin könne jedoch die griechische Notenbank den Refinanzierungsbedarf der Institute des Landes über die bestehende Notfallkreditlinie bestreiten, hieß es weiter.

Hintergrund des Schritts der EZB ist, dass am 24. Juli eine Garantie für die von der EZB gehaltenen Hellas-Bonds ausläuft. Ende Februar hatten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder damals vor dem unter der Beteiligung privater Investoren vollzogenen Schuldenschnitt in Griechenland eine Vereinbarung mit der EZB getroffen. Diese Garantie über 35 Milliarden Euro sollte die EZB vor Verlusten im Falle einer Staatspleite abschirmen.

Mit dem Schritt der EZB hängen die griechischen Banken nun ab Mitte kommender Woche bis auf weiteres vollständig am Tropf ihrer eigenen Notenbank in Athen. Nach Daten des Eurosystems refinanzierten die Banken Griechenlands sich per Ende Juni in einem Umfang von 62 Milliarden Euro über Notkredite ihrer Zentralbank und im Volumen von 74 Milliarden Euro direkt bei der EZB.

Parallel zur Blockade der Anleihen ließ die EZB am Freitag zusätzliche Kreditforderungen griechischer Banken als Sicherheiten zu, ebenso erweiterte sie den entsprechenden Sicherheitenrahmen für Zypern, Portugal und Italien.

Unterdessen gab das griechische Finanzministerium an, man habe die eigenen Sparziele in der ersten Jahreshälfte erfüllt. Das Defizit in den Monaten Januar bis Juni habe 12,5 Milliarden Euro betragen und damit deutlich unter dem angestrebten Wert von 14,9 Milliarden Euro gelegen, hieß es in einer Mitteilung. Das Primärdefizit - abzüglich fälliger Zinszahlungen - lag den Angaben zufolge bei 3,3 Milliarden Euro und damit ebenfalls unter dem Ziel von 5,3 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr 2012 will Griechenland sein Haushaltsdefizit auf 7,3 Prozent reduzieren, nach 9,2 Prozent im Vorjahr. 2009 hatte das griechische Defizit einen Rekordwert von 15,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bis auf weiteres: EZB nimmt Hellas-Bonds nicht mehr als Garantie"

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  • GR wird mitgeschleift werden, koste es was es wolle.
    Denn in der Politik gilt das Primat der Idiotie.

    Wann klagt endlich jemand gegen die EZB vorm BVerfG?
    Den ESM werden sie eh mit ein paar Alibi "Leitplanken" durchwinken: "Bis hier hin, aber nicht weiter".

    Immerhin wissen wir dann, dieser Staat ist keine Demokratie, denn die Staatsgewalt geht erwiesenermassen NICHT vom Volk aus (Artikels 20 GG Absatz 2).

  • Nenee, da geht noch was. So schnell geben die Eurofanatiker nicht auf. Es besteht die Gefahr, dass sich die Erde weiterdreht, wenn GR nicht mehr in der Euro-Zone ist. Damit wären dann auch andere zum Abschuss frei, und der Euro tot.

    Das werden Merkel und Schäuble nicht zulassen. Da wird noch ein Sonderschirmchen gebastelt. Was die anderen meinen ist egal, die beiden bekommen die Mehrheit ja immer.

  • Na gut - das ist Schritt 1.

    Schritt 2 ist die Beendigung der Zahlungen von IWF und EFSF.

    Schritt 3 ist die Untersagung der ELA der griechischen Notenbank durch das Direktorium der EZB mit 2/3 Mehrheit.

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    Und dann sind wir Griechenland endlich los.

    Die können zwar noch den Euro als Währung benutzen, wenn sie wollen.

    Aber Zugang zur Geldschöpfung der EZB und zu EFSF-Almosen haben sie nicht mehr.

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