Bisher keine Bekennerschreiben
33 Festnahmen nach Anschlägen von Casablanca

Nach den Selbstmordanschlägen im marokkanischen Casablanca konzentrieren sich die Ermittlungen der Behörden auf Moslem-Extremisten. Die Polizei nahm Regierungskreisen zufolge am Samstag 33 Verdächtige fest. Fünf davon waren am Sonntag noch in Gewahrsam. Einige von ihnen stünden in Verbindung mit der radikal-islamischen Gruppe Djihad Salafist, hieß es.

Reuters CASABLANCA. Nach Angaben von Innenminister Al Mustapha Sahel wurden die Leichen von sieben der mutmaßlich 14 Attentäter identifiziert. 13 von ihnen starben bei den Anschlägen, einer wurde schwer verletzt festgenommen. US-Präsident George W. Bush sagte, die neuen Anschläge zeigten, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus weitergehen müsse. Bei den fünf offenbar aufeinander abgestimmten Attentaten waren in der Nacht auf Samstag 41 Menschen getötet und etwa hundert verletzt worden.

Die Anschläge seien das Werk des internationalen Terrorismus, sagte ein Sprecher des marokkanischen Königs. „Marokko ist entschlossen, die Verantwortlichen ohne Gnade zu bestrafen.“ In US-Regierungskreisen wurde nicht ausgeschlossen, dass hinter den Anschlägen - ebenso wie hinter den jüngsten Attentaten in Saudi-Arabien - die El-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden steckt.

Nach Einschätzung von US-Außenminister Colin Powell ist auch weiter mit Anschlägen von El Kaida zu rechnen. „Die sind entschlossen, ihre kriminellen Terroroperationen weiter zu führen“, sagte er der ARD, die das Gespräch am Sonntagabend ausstrahlen wollte. Bush sagte in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache, El Kaida sei noch immer eine Bedrohung. „Diese Mordtaten zeigen wieder einmal, dass der Terrorismus keine Grenzen kennt.“

Zwischen der marokkanischen Gruppe Djihad Salafist und der El Kaida vermuten Experten schon seit längerem Verbindungen: Anfang Mai war einer ihrer führenden Geistlichen wegen Anstiftung zur Gewalt zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. Der 28-Jährige hat sich in den 90er Jahren in Afghanistan aufgehalten und hatte die Anschläge am 11. September 2001 in den USA begrüßt, die der El Kaida und ihrem Chef Osama bin Laden zugeschrieben werden.

Einige Kommentatoren, wie der Herausgeber des regierungskritischen marokkanischen Wochenblattes „Le Journal Hebdomadaire“, Aboubakr Jamai, sahen den Verdacht gegen El Kaida dagegen mit Skepsis: „Wenn El Kaida hinter den Anschlägen steckt, warum waren dann keine amerikanischen Einrichtungen unter den Zielen? Die politische Dimension der Ziele ist nicht klar“, sagte er.

Bislang hat sich keine Gruppe zu den Anschlägen bekannt, doch tragen sie nach Einschätzung der USA in ihrer offenbar abgestimmten Vorgehensweise die Handschrift El Kaidas. Neben den direkten Angriffen der Selbstmordattentäter explodierten auch Autobomben. Die Todesopfer sind in der Mehrzahl Marokkaner. Diplomaten zufolge sind aber auch drei Franzosen, zwei Spanier und ein Italiener darunter. Zu den Zielen der Attentate gehörten ein spanischer Club, ein jüdisches Gemeindezentrum und Hotel sowie ein in jüdischem Besitz befindliches Restaurant gegenüber dem belgischen Konsulat. Eine Bombe könnte vorzeitig explodiert sein, die dem jüdischen Friedhof in der Altstadt galt.

Marokko ist nach Saudi-Arabien das zweite arabische Königreich mit engen Beziehungen zu den USA, in dem innerhalb einer Woche schwere Anschläge verübt wurden. In Riad waren am vergangenen Montag bei Selbstmordanschlägen 34 Menschen getötet worden. In einem Bin Laden zugeschriebenen Videoband, das im Februar veröffentlicht worden war, standen beide Länder auf einer Liste moslemischer Staaten, die zu befreien seien.

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