Bitcoin unterschlagen
Silk Road-Ermittler sollen geklaut haben

Zweieinhalb Jahre lang suchten FBI und US-Drogenbehörde nach dem Betreiber der Drogen-Website Silk Road. Zwei Ermittler sollen dabei große Mengen an Bitcoin abgezweigt haben - einer von ihnen ging sogar noch weiter.
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WashingtonZwei US-Polizeibeamte stehen im Verdacht, bei verdeckten Ermittlungen gegen den illegalen Online-Handelsplatz Silk Road Einheiten der Digitalwährung Bitcoin im Wert von hunderttausenden Dollar unterschlagen zu haben. Das US-Justizministerium teilte am Montag mit, dass die beiden Verdächtigen einen Teil der für Transaktionen auf Silk Road vorgesehenen Bitcoins für sich behalten hätten.

Außerdem habe einer der beiden Ermittler über eine verschlüsselte Verbindung Kontakt zum Gründer der Website aufgenommen und diesem gegen die Zahlung von 250.000 Dollar (229.000 Euro) in Bitcoins Schutz vor der Strafverfolgung durch die Bundespolizei FBI versprochen. Weiterhin habe er für 100.000 Dollar Informationen über den Stand der Ermittlungen angeboten, heißt es in der Erklärung des Ministeriums.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge handelt es sich bei den Verdächtigen um jeweils einen damaligen Mitarbeiter der Drogenpolizei DEA und des Geheimdienstes Secret Service. Aus Ermittlungsakten gehe hervor, dass dem DEA-Agenten neben Geldwäsche und Betrug auch Diebstahl von Regierungseigentum und Interessenkonflikte bei seinem Einsatz vorgeworfen werden.

Der 46-Jährige, der etwa 15 Jahre als Sonderermittler der DEA angestellt gewesen sei, habe sich an Bitcoins persönlich bereichert, anstatt sie an die Regierung zu übergeben. Die digitale Währung war bei Geschäften auf Silk Road das Hauptzahlungsmittel. Der Mann sei am Freitag in Baltimore verhaftet worden.

Der andere Verdächtigte, ein 32-Jähriger, der sechs Jahre für den Secret Service ermittelt haben soll, habe sich in San Francisco gestellt. Beide hätten gekündigt, nachdem sie von den Ermittlungen gegen sich erfuhren. Beide sollten am Montag vor Gericht erscheinen.

Silk Road war einer der zentralen Umschlagplätze für Drogen im Internet. Nutzer konnten auf der Website auch Waffen und gefälschte Ausweise kaufen sowie Auftragsmörder anheuern. Silk Road hatte hunderttausende Nutzer rund um die Welt. Über mehr als zweieinhalb Jahre lang sollen tausende Drogendealer insgesamt 213 Millionen Dollar an Umsatz auf der Plattform gemacht haben.

Anfang Februar war der 30-jährige Ross William Ulbricht, der die Seite unter dem Pseudonym "Dread Pirate Roberts" betrieben haben soll, vor einem Bundesgericht in New York schuldig gesprochen worden. Ulbricht droht lebenslange Haft.

Die Bundespolizei FBI und die Drogenbehörde DEA hatten mehr als zweieinhalb Jahre nach "Dread Pirate Roberts" gesucht. Die Ermittlungen waren knifflig, weil die Website über verschlüsselte Internetverbindungen lief und Transaktionen anonym über die Digitalwährung Bitcoin abgewickelt wurden. Im Oktober 2013 nahm das FBI Ulbricht dann in einer Bibliothek in San Francisco fest.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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