Blair: Geschichte wird Einmarsch im Irak rechtfertigen
Der Premier bleibt bei seiner Meinung

Der britische Premierminister Tony Blair hat den Einmarsch im Irak angesichts wachsender Kritik vehement verteidigt. Der Krieg sei gerechtfertigt gewesen, selbst wenn nicht bewiesen werden könne, dass der Irak Terroristen mit Massenvernichtungswaffen versorgt habe, sagte Blair am Donnerstag in Washington vor dem amerikanischen Kongress. Blair warb gleichzeitig um Nachsicht mit den USA-Kritikern in Europa.

HB/dpa WASHINGTON. „Können wir sicher sein, dass Terroristen und Massenvernichtungswaffen zueinander finden? Lassen sie uns nur eins sagen: Wenn wir falsch liegen, dann haben wir dennoch eine Bedrohung zerstört, die in jedem Fall für unmenschliche Massaker und Leiden verantwortlich war“, sagte Blair. „Ich bin davon überzeugt, dass die Geschichte uns vergeben wird.“ Bush betonte nach einem Gespräch mit Blair, dass der Sturz Saddam Husseins ein wichtiger Bestandteil des Anti-Terrorkriegs gewesen sei.

Bush zeigte sich nach dem Gespräch mit Blair überzeugt, dass die Beweise für ein irakisches Massenvernichtungswaffenprogramm noch zum Vorschein kommen. „Keiner wird uns das Gegenteil beweisen“, sagte Bush. „Wir werden die Wahrheit herausfinden und die ist, dass (Saddam) an einem Programm mit Massenvernichtungswaffen arbeitete.“

Blair betonte erneut, dass er an den umstrittenen Geheimdiensterkenntnissen, die London und Washington als Kriegsgrund herangezogen hatten, festhalte. „Wir sind von der Richtigkeit dieser Erkenntnisse überzeugt“, sagte Blair. Dabei geht es unter anderem um den Vorwurf, der Irak habe in Afrika Uran für ein Atomwaffenprogramm kaufen wollen. Das Weiße Haus hat inzwischen eingeräumt, dass es für die Behauptung keine einwandfreie Grundlage gibt.

Blair wurde im Kongress überschwänglich empfangen und während seiner Rede immer wieder von Applaus unterbrochen. „Das bin ich nicht gewohnt“, sagte Blair zur Belustigung der Abgeordneten und Senatoren. Sie feierten Blair, der innenpolitisch schwer unter Druck steht, demonstrativ als standfesten Alliierten im Irak-Krieg, der die US-Regierung auf Konfrontationskurs mit den meisten anderen Regierungen der Welt gebracht hatte.

„Wir Europäer haben rund 1000 Jahre damit verbracht, uns gegenseitig umzubringen“, sagte Blair. „Aber Europa hat auch Stärken.“ Zudem wachse die EU mit zehn neuen Mitgliedern, die die Freiheit noch mit Leidenschaft feierten und nicht als gegeben hinnähmen. „Geben Sie Europa nicht auf“, sagte Blair. Die Europäer mahnte Blair, den Anti-Amerikanismus zu bekämpfen. An die USA appellierte er, Überzeugung zur Grundlage der Partnerschaft zu machen, kein Herumkommandieren. Blair dankte Bush für dessen politische Führungskraft in schwierigen Zeiten. Die Macht der USA sei noch nie so nötig gewesen und so missverstanden worden wie heute.

In Bezug auf Irak versprach Blair, dass die ausländischen Soldaten erst abziehen, wenn das Land stabilisiert sei. Bush räumte ein, dass die USA im Irak von unbekannten Kräften herausgefordert würden. „Unsere Feinde suchen nach einem Zögern, nach Schwächen. Sie werden nichts finden. (...) Wir werden die Aufgabe, den Irakern beim Übergang zur Demokratie zu helfen, zu Ende bringen.“ Blair äußerte die Überzeugung dass mit dem Ende des Saddam-Regimes eine neue Ära der Demokratie im Nahen Osten anbreche. Die Krönung sei ein unabhängiger Palästinenserstaat.

Der Auftritt vor dem US-Kongress ist eine seltene Ehre für ausländische Staatsgäste. Von den britischen Regierungschefs hatte zuletzt Margaret Thatcher 1985 das Wort vor beiden Häusern des amerikanischen Parlaments ergriffen.

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