Blair-Nachfolge
Der Schatzkanzler, das Rätsel

In Großbritannien neigt sich die Ära Tony Blair mit der Rücktrittsankündigung des Premiers dem Ende zu. Jetzt schlägt die Stunde des Mitstreiters und ewigen Rivalen Gordon Brown. Doch vielen Briten ist der Schatzkanzler immer noch ein Rätsel - und die Opposition gewinnt an Stärke.

LONDON. Eines wollte Tony Blair immer verhindern: wie Margaret Thatcher rüde aus No. 10 Downing Street vertrieben zu werden. Unvergessen die Szene, als die „eiserne Lady“ 1990 mit Tränen in den Augen ihren Amtssitz verließ – nach elf Jahren gestürzt vom eigenen Kabinett.

Blair droht im zehnten Amtsjahr nun das gleiche Schicksal. Noch im Mai wies er den Vergleich mit seiner Vor-Vorgängerin empört zurück. Thatcher habe ihren Abgang durch die unpopuläre Kopfsteuer selbst verschuldet. So etwas werde ihm nicht passieren. Doch nun, am Ende der Sommerpause und zwei Wochen vor der jährlichen Parteikonferenz, hat auch Blair sich überraschen lassen. Eine Serie von offenen Briefen mit Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen gipfelte im Rücktritt von acht Staatssekretären.

Blairs Vertraute ließen keinen Zweifel daran, wer nach ihrer Meinung hinter der Rebellion steckt: Finanzminister Gordon Brown, Blairs härtester Widersacher und seit langem Premier im Wartestand. Eigentlich haben der kantige Schotte Brown und der einstige Medienliebling Blair eine Menge gemeinsam. Beide stiegen Mitte der 80er-Jahre rasant in der Labour-Partei auf. Beide gelten als die treibenden Kräfte, die die Partei unter dem Signum New Labour in die politische Mitte führten. Als Blair 1994 zum Labour-Chef gewählt wurde, steckte Brown zurück. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass der heutige Schatzkanzler schon damals das Versprechen erhielt, Nachfolger zu werden.

1997 zieht Blair nach einem Erdrutschsieg in die Downing Street ein. Damit enden 23 Jahre Opposition für Labour. Brown rückt auf den Posten des Finanzministers. Hinter den Kulissen beginnen bereits damals die Positionskämpfe zwischen den beiden Rivalen. Auch wenn Blairs Reformpolitik schnell an Glanz verlor, gewann Labour die Parlamentswahlen 2001 vor allem dank der guten Wirtschaftsbilanz erneut mit deutlichem Vorsprung. Schwerpunkte der neuen Legislaturperiode sollten die Verbesserung des lange Zeit chronisch unterfinanzierten Gesundheitswesens, des staatlichen Erziehungssystems und der öffentlichen Dienste werden. Alles Projekte, die heute noch nicht abgeschlossen sind.

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