Blitzbesuch in Pakistan
US-Außenministerin Clinton will Wogen glätten

Knapp vier Wochen nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan ist US-Außenministerin Hillary Clinton zu einem Blitzbesuch in Islamabad eingetroffen. Die Mission: Die Spannungen mit Pakistan entschärfen.
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IslamabadSie werde nur fünf bis sechs Stunden in Pakistan bleiben, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Islamabad. Clinton traf am Freitag zunächst mit Präsident Asif Ali Zardari zusammen. Anschließend sprach sie mit Premierminister Yousuf Raza Gilani und Armeechef Ashfaq Parvez Kayani. Sie wollte sich vor ihrer Abreise vor der Presse äußern.

Es ist der hochrangigste Besuch aus Washington seit der eigenmächtigen Operation amerikanischer Truppen gegen Bin Laden in Abbottabad zu Monatsbeginn, über die Pakistan nicht informiert worden war. Der Vorfall hatte zu schweren Verstimmungen zwischen Washington und Islamabad geführt. Vor Clinton hatten sich bereits der einflussreiche US-Senator John Kerry und der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Marc Grossman, um Entspannung bemüht. Clinton wird von US-Generalstabschef Michael Mullen begleitet.

Das pakistanische Parlament hatte die Operation gegen Bin Laden als Verletzung der Souveränität Pakistans scharf kritisiert. Die Abgeordneten hatten gedroht, im Wiederholungsfall den Nachschub für die Nato-Truppen in Afghanistan abzuschneiden. Der Nachschub läuft vor allem durch Pakistan.

Das bilaterale Verhältnis ist vergiftet wie nie. Zwar hat die eigenmächtige Operation den Amerikahass bei Pakistanern auf bislang unbekannte Höhen getrieben, doch geschwelt hat er schon zuvor. Angefeuert wird er durch die andauernden US-Drohnenangriffe im Grenzgebiet zu Afghanistan. Verheerend war zudem der Fall des CIA-Agenten Raymond Davis, der Ende Januar zwei Pakistaner auf offener Straße erschoss - und der nach einer mysteriösen Zahlung von Blutgeld an die Angehörigen der Opfer plötzlich ausreisen durfte.

Nach dem Einsatz gegen Bin Laden sagte in einer Umfrage des Senders Geo TV nur noch ein Prozent der Pakistaner, die Verbindungen zwischen Pakistan und den USA seien eng. Die allermeisten nannten Amerika einen Rivalen oder Feind. Im Volk herrsche „ein extremes Gefühl des Verrats“ durch die USA, sagt der Oberhaus-Abgeordnete der mächtigen islamistischen Jamaat-e-Islami, Professor Kurshid Ahmed.

Pakistan hat dem US-Geheimdienst CIA unterdessen nach Angaben der „Washington Post“ grünes Licht für die Durchsuchung des Anwesens gegeben, in dem Bin Laden getötet wurde. Demnach darf ein Forensik-Expertenteam das Gebäude in Abbottabad mit hochmodernen Geräten durchkämmen. Ziel sei es, Material aufzuspüren, das etwa in Wänden versteckt oder auf dem Grundstück vergraben sein könnte, berichtete die Zeitung am Donnerstag (Ortszeit) online unter Berufung auf US-Regierungsbeamte.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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