Blockbildung
In Asien formieren sich neue Allianzen

Asien ist mittlerweile zur Bühne wichtiger strategischer Blockbildung geworden: China und Russland wollen den Einfluss der USA in der Region zurückdrängen. Die Nordamerikaner versuchen dagegen, ihre Rolle als westliche Supermacht zu erhalten und noch auszubauen. „Malabar 07“ und „Friedensmission 07“ zeigen die Entwicklung wohl am deutlichsten.

BERLIN. „Malabar 07“ – so heißt das geopolitische Reizwort des Herbstes in Asien. Denn hinter dem Wort verbirgt sich das erste große Seemanöver, das die USA, Indien, Japan, Australien und Singapur im Golf von Bengalen abhielten. „Friedensmission 07“ – so lautet das andere. Denn so hieß die Militärübung, die Russland gemeinsam mit China und vier zentralasiatischen Ländern im August abhielt.

Keines der Manöver strahlte eine besondere Aggressivität aus, über die sich Nachbarstaaten hätten sorgen müssen. Aber beide zusammen sind bisher das wohl deutlichste Anzeichen dafür, wie sehr das wirtschaftlich boomende und rohstoffreiche Asien mittlerweile zur Bühne wichtiger strategischer Blockbildung geworden ist.

Denn zunehmend offener kollidieren zwei gegensätzliche Interessen. Auf der einen Seite eint ein erstarkendes China und ein finanziell wieder handlungsfähiges Russland der Wunsch, den Einfluss der USA in Asien langsam zurückzudrängen. Unter anderem um dieses unausgesprochene Ziel zu erreichen, wurde 2001 die Schanghai-Organisation für Zusammenarbeit (SCO) gegründet, der außer den beiden Atommächten auch Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan angehören. China ist besonders ein Dorn im Auge, dass Washington Taiwan unterstützt, das die kommunistische Führung in Peking als abtrünnige chinesische Provinz betrachtet. Russland fühlt sich durch die amerikanische Militärpräsenz nicht nur in Europa, sondern etwa auch im Irak, in Afghanistan, Südkorea und Japan „umzingelt“.

Auf der anderen Seite bemüht sich die westliche Supermacht, die eigene Rolle in Asien zu erhalten oder sogar noch auszubauen. Das trifft auf das Interesse von Ländern wie Japan, Südkorea oder Singapur, die den raschen Aufstieg Chinas mit Sorge betrachten und nach starken Partnern Ausschau halten. Eine Schlüsselrolle aber kommt in diesem Spiel Indien mit seiner Milliardenbevölkerung zu, das von westlichen Regierungen heftig umworben und als demokratische Alternative zu dem kommunistischen China aufgewertet worden ist.

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