Blogger Raif Badawi: Ausgepeitscht und ausgezeichnet

Blogger Raif Badawi
Ausgepeitscht und ausgezeichnet

Zehn Jahre Haft und 1000 Peitschenhiebe: Die Strafe für den Blogger Raif Badawi in Saudi-Arabien hat weltweit Empörung ausgelöst. Nun wird der Publizist für seinen Einsatz für die Meinungsfreiheit geehrt.

BrüsselSein Schicksal bewegt seit Monaten die Weltöffentlichkeit. Die Vereinten Nationen, die EU, die USA und Kanada haben Saudi-Arabien wiederholt aufgerufen, den zu tausend Stockhieben und zehn Jahren Haft verurteilten Schriftsteller und Blogger Raef Badawi freizulassen – bisher vergeblich. Nun erkannte das Europaparlament dem 31-Jährigen den diesjährigen Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit zu. Die europäische Volksvertretung würdigte das mutige Eintreten des Wirtschaftswissenschaftlers für religiöse Toleranz und eine liberalere Gesellschaft in Saudi-Arabien.

Badawi hatte 2008 gemeinsam mit einer saudi-arabischen Aktivistin für Frauenrechte den Blog „Free Saudi Liberals“ („Freie saudiarabische Liberale“ gegründet – eine Plattform zum Austausch von Ideen zu Politik, Religion und Gesellschaft. Den Behörden des ultrakonservativen Königreichs war dieses Forum von Anfang an ein Dorn im Auge.

2009 wurde gegen den Blogger ein Ausreiseverbot verhängt, außerdem wurde sein Bankkonto gesperrt. Im Juni 2012 wurde Badawi festgenommen, ein Jahr später erging das erste Urteil gegen ihn: Sieben Jahre Haft und 600 Peitschenhiebe wegen Beleidigung des Islam. Ihm wird vorgeworfen, in seinem Blog wiederholt die Religionspolizei für die harte Durchsetzung der in dem wahhabitischen Königreich vorherrschenden strengen Auslegung des Islams kritisiert zu haben.

Ein Appellationsgericht verschärfte die Strafe im Mai 2014 noch - auf zehn Jahre Haft, tausend Peitschenhiebe und eine Geldstrafe von umgerechnet mehr als 200.000 Euro. Im vergangenen Januar erhielt Badawi vor einer Moschee die ersten 50 Peitschenhiebe. Dabei wurde er so schwer verletzt, dass die Schläge bis auf weiteres ausgesetzt wurden - wohl auch wegen des weltweiten Aufschreis gegen die barbarische Strafe.

Doch nun, so befürchtet seine Frau Ensaf Haidar, könnte dem 31-Jährigen schon bald die nächste öffentliche Auspeitschung bevorstehen. Dies habe sie aus von einer „informierten Quelle“ erfahren, berichtete Haidar am Dienstag in Kanada, wohin sie vor zwei Jahren mit den drei gemeinsamen Kindern vor den Repressalien der saudiarabischen Behörden geflüchtet war. Grund für diese Furcht ist auch, dass der Oberste Gerichtshof Saudi-Arabiens am 7. Juni das Urteil gegen Badawi bestätigt hat.

Haidar beschreibt ihren Mann, mit dem sie zwei Töchter und einen Sohn aufgezogen hat, als zärtlichen Vater und Büchernarren. Badawi habe zunächst eine englischsprachige Computerschule betrieben, seine wahre Berufung sei aber das Schreiben gewesen. „Er setzte sich für Dialog zwischen den Menschen ein. Er wollte Meinungsfreiheit und Rechte für Frauen und für alle Menschen.“

Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) forderte den saudiarabischen König nun auf, Badawi „unverzüglich, noch heute“ freizulassen. Bisher sind freilich alle Appelle für eine Begnadigung und Freilassung des Bloggers in Riad auf taube Ohren gestoßen. Und so rechnet im Europaparlament auch kaum jemand damit, dass Badawi zu der am 16. Dezember in Straßburg geplanten Preisverleihung kommen darf.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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