Blühender Waffenhandel: Libyen exportiert seine Unsicherheit

Blühender Waffenhandel
Libyen exportiert seine Unsicherheit

In Libyen sind seit dem Sturz von Machthaber Gaddafi Millionen Waffen im Umlauf. Sie befinden sich in den Händen der Milizen, ebenso wie in Privathaushalten. Jegliche Kontrolle über den Waffenhandel fehlt.
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TripolisAuf dem Fischmarkt im Zentrum der libyschen Hauptstadt Tripolis deckten sich die Bewohner früher mit Lebensmitteln wie Fleisch und Meeresfrüchten sowie mit Gebrauchsgütern aller Art ein. Inzwischen gibt es dort den größten Waffenmarkt von Tripolis, die Händler bieten Pistolen und Sturmgewehre an. Und auch größere Maschinengewehre für tausende Dollar können an den Ständen erworben werden.

In Libyen, wo die Zentralregierung praktisch machtlos ist und Hunderte Milizen um die Vorherrschaft ringen, sind Millionen Waffen im Umlauf. Eine Kontrolle gibt es nicht.

Im Februar raubten Kämpfer eine Flugzeugladung Waffen aus Russland, die für die libyschen Streitkräfte bestimmt war. Das Flugzeug hatte auf dem Weg zu einem Stützpunkt im Süden eine Zwischenlandung in Tripolis eingelegt. Die Milizionäre umstellten die Maschine auf dem Rollfeld und stahlen die automatischen Waffen samt Munition, wie Haschim Bischr, ein Beamter der dem Innenministerium unterstehenden Sicherheitskräfte, der Nachrichtenagentur AP sagte.

Die Kämpfer gehörten ausgerechnet zu einer Miliz, die von der Regierung offiziell mit dem Schutz des Flughafens beauftragt war. Wenige Wochen zuvor hatte eine andere Miliz laut Bischr auf einem weiteren Flughafen in Tripolis eine Waffenlieferung mit Flugabwehrgeschützen in ihren Besitz gebracht, die ebenfalls für die Streitkräfte gedacht war.

Europa und die USA sehen das Chaos mit Sorge. Auf einer Konferenz in Rom in diesem Monat drängten westliche und arabische Diplomaten Vertreter Libyens, sich politisch so weit zu einigen, dass die internationale Gemeinschaft die Regierung beim Einsammeln der Waffen und beim Wiederaufbau von Streitkräften und Polizei unterstützen kann.

Das Problem sei, dass Europa und die USA einfach nicht wüssten, an wen sie sich in Libyen wenden sollten, sagt ein westlicher Diplomat. Er verweist auf internationale Pläne zum Bau von Lagerhäusern in der westlibyschen Stadt Gharjan, wo Waffen gesammelt werden sollten. Das Projekt sei fehlgeschlagen, weil nicht klar gewesen sei, wer zuständig sei.

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